Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos kommt voran

Ladeinfrastruktur: Wie lädt Deutschland?

Die Zahl von einer Million Elektroautos bis 2020 hat jeder noch im Kopf. Bis dahin werden wohl weit weniger Autos mit Elektroantrieb über Deutschlands Straßen rollen, das von der Bundesregierung angepeilte Ziel war zu optimistisch. Aber wie sieht es mit der Ladeinfrastruktur aus: Wie viele Ladesäulen und öffentliche Ladepunkte gibt es heute, wie viele werden es 2020 sein?

Nach Auffassung vieler Experten hängt der Durchbruch der Elektromobilität wesentlich von einer gut zugänglichen, leistungsstarken Ladeinfrastruktur ab.

Anzahl der Ladesäulen in Deutschland

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öffentliche Ladepunkte für Elektrofahrzeuge

 

verzeichnet das Ladesäulenregister des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) zum 1. April 2019. Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur, die offizielle Statistik des Bundes, zählt die Ladestationen und wertet anders. Zum einen haben viele Ladestationen zwei und mehr Ladepunkte, sie können also mehrere Autos gleichzeitig bedienen. Andererseits weist nicht jeder Ladepunkt genau den Stecker auf, den man gerade braucht. Und nicht jeder genügt dem Anspruch leichter Zugänglichkeit. Eine gute Nachricht in jedem Fall: Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine Steigerung um rund 40 Prozent. Aber: Nach Angaben des Bundesverbands der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) sind von den öffentlichen Ladestationen nur zwölf Prozent Schnelllader.

Übersicht: Ladeinfrastruktur in Deutschland

© NPE © NPE

Grafik: © NPE

Alle Statistiken spiegeln eine klare Tendenz: Die Anzahl der Ladestationen steigt kontinuierlich.

Technik: Was die Ladesäulenverordnung verlangt

Mit der novellierten Ladesäulenverordnung (LSV) wird sich die Statistik in den kommenden Jahren vermutlich konsolidieren. Denn sie definiert und normiert, was eine öffentliche Ladesäule ist. Seit April 2017 veröffentlicht die Bundesnetzagentur (BNetzA) ihre Daten zur öffentlichen Ladeinfrastruktur. Dort müssen neue Lademöglichkeiten angemeldet werden. Gleichzeitig legt die LSV fest, welche wesentlichen Merkmale Ladepunkte erfüllen müssen.

  • Eine Ladesäule muss rund um die Uhr öffentlich zugänglich sein: entweder inklusive Parkplatz im öffentlichen Straßenraum oder auf privatem Grund, ohne dass der Personenkreis eingeschränkt wird, der Zugang hat.
  • Für neue Ladesäulen schreibt die LSV den Typ-2-Stecker verpflichtend vor. Sie bevorzugt bei Schnellladestationen das Combined Charging System (CCS) gegenüber dem weit verbreiteten Gleichstrom-Laden mit dem CHAdeMO-Stecker japanischen Ursprungs.
  • Der Betreiber eines Ladepunkts muss punktuelles Aufladen ermöglichen, entweder ohne Authentifizierung oder „mittels eines gängigen kartenbasierten Zahlungssystems“.

Beinahe von selbst versteht sich: Nur wenn die Stromversorgung aus erneuerbaren Energieträgern erfolgt, kann eine solche Ladesäule gefördert werden.

Eine Ladestation kann mehrere Stecker- oder Kabeltypen und somit mehrere Ladepunkte umfassen. Stand heute weisen bereits vier von fünf Ladesäulen den Typ-2-Stecker auf.

Wunsch und Wirklichkeit: Was zeichnet eine gute Ladestation aus?

Erfahrungsberichte, Blogs und Foren berichten oft von gemischten Erfahrungen. Ein ADAC-Test an rund 50 Ladesäulen in Ballungsräumen ergab im Mai 2018 viel Licht und viel Schatten. Unser Wunschzettel für eine ideale Ladestation:

  • Die Ladestation ist leicht zu finden und bequem erreichbar. Die Informationen im Internet, vor allem Ausschilderung und Wegbeschreibung, stimmen mit den Daten vor Ort überein.
  • Man kann an der Ladestation schnell laden, also mit 22 Kilowatt und mehr.
  • Laden und Zahlen erfolgen unkompliziert und kundenfreundlich. Man erkennt auf Anhieb den Betreiber und die technischen Spezifikationen.
  • Bezahlmodell und Kosten fürs Laden sind günstig und transparent.
  • Falls das Laden einmal nicht möglich ist, wird darauf hingewiesen und ein Ausweichstandort oder eine Hotline angeboten.
  • Ideal ist es, wenn schon auf der Website zu erkennen ist, ob eine Station gerade belegt ist.

Zügiger Ausbau der Ladeinfrastruktur – Förderung vom Bund

Die Förderrichtlinie „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“ soll eine flächendeckende und bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur schaffen. Bis 2020 fördert das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) den Ausbau mit 300 Millionen Euro. Auf diesem Weg sollen 15.000 weitere Ladestationen entstehen. Zwei Drittel dieser Summe sind für 5.000 Schnellladestationen mit 22 Kilowatt (kW) Ladeleistung und mehr vorgesehen.

So sieht die Förderung im Einzelnen aus: Bis zu 40 Prozent der Kosten eines neuen Ladepunkts werden gefördert, und zwar

  • Normalladepunkte bis 22 kW Ladeleistung mit maximal 3.000 Euro
  • Schnellladepunkte bis 100 kW Ladeleistung mit maximal 12.000 Euro
  • schnelle und ultraschnelle Ladepunkte über 100 kW Ladeleistung mit maximal 30.000 Euro

Der Bedarf ist groß. Nach übereinstimmenden Schätzungen wären für eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen etwa 70.000 Normalladepunkte und 7.000 Schnellladepunkte erforderlich.

Betreiber und Ausbaupläne für Stromtankstellen

Bislang werden die meisten Ladestationen von Energieversorgern, Parkhäusern, Hotels und Supermärkten betrieben. Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber waren 2017 nur für jede fünfzigste Ladestation. Der banale Grund: Die Investitionen lohnen sich noch nicht, es sind noch zu wenige Elektrofahrzeuge unterwegs. Der Sprecher eines großen Stromversorgers urteilte Mitte August vergangenen Jahres skeptisch: „Rein rechnerisch könnten die Ladestationen knapp dreimal so viele E-Autos versorgen, wie in Deutschland bereits angemeldet sind“.

Doch der Markt befindet sich in schnellem Wandel. Der Statistik von e-stations.de zufolge betreibt Allego die meisten Ladepunkte in Deutschland, nämlich 7.698. Dicht gefolgt wird es von The New Motion mit mehr als 5.500 Ladepunkten. Das Unternehmen wurde 2017 von Shell übernommen. Erst nach einer stattlichen Anzahl von Energieversorgern folgen Autohersteller und „Branchenfremde“, etwa Discounter.

Ionity, eine Initiative von Daimler, VW, Ford, BMW und anderen Beteiligten, wählt eine andere Strategie: Bis 2020 will der Zusammenschluss eine flächendeckende Schnellladeinfrastruktur in Deutschland aufbauen – nicht zuletzt in Konkurrenz zu Tesla. So sollen 400 Schnellladestationen in unmittelbarer Nähe zu Autobahnen und Schnellstraßen entstehen, damit Fahrer von Elektroautos alle 120 Kilometer innerhalb weniger Minuten Reichweite nachladen können. Dazu kooperieren sie mit Tankstellen- und Raststättenbetreibern. Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV und die EnBW Energie Baden-Württemberg planen bis Ende 2019 rund 100 Hochgeschwindigkeits-Ladesäulen an süddeutschen OMV-Tankstellen. Mit High Power Charging bis 400 und später einmal 800 kW lädt man 100 Kilometer Reichweite in drei Minuten. 2020 soll es schon 1.000 Schnellladesäulen bis 150 kW geben.

Auch neue Akteure betreten den Markt. Im Sommer 2018 begann die Telekom 12.000 ihrer unzähligen Schaltschränke in Stromtankstellen umwandeln. An 500 Orten sollen Schnellladesäulen entstehen. Und das Bundesverkehrsministerium hat mit der Autobahn Tank & Rast GmbH vereinbart, alle 400 Raststätten an Autobahnen mit Schnellladesäulen für Elektroautos auszustatten.

Ausblick: Lade- und Zahlkomfort als entscheidende Kriterien

Für Elektrofahrer wird es in den kommenden Jahren reichlich Auswahl an Stromtankstellen geben. Auch wenn nicht alles auf Anhieb wie gewünscht funktioniert, sollte das gute Angebot dafür sorgen, dass die verfügbare Ladeleistung steigt und der Preis für grünen Strom je Kilowattstunde oder Zeiteinheit sinkt. Mehr und mehr dürften Lade- und Zahlkomfort zum Auswahlkriterium für eine gute Ladestation werden.

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