Mit dem E-Auto zur Arbeit

Steuervorteile nutzen: E-Autos als Dienstwägen

Fast zwei Drittel aller Fahrzeuge werden gewerblich angemeldet. Doch nur jedes dritte Elektroauto ist ein Dienstwagen. Wieso klafft da eine Lücke? Sind die steuerlichen Vorteile von Elektroautos unbekannt?

Elektroautos sollen steuerlich nicht benachteiligt werden. Schließlich will Vater Staat nicht die eigene Absicht durchkreuzen, umweltfreundliche Mobilität ins Rollen zu bringen. Neben dem Umweltbonus von 4.000 Euro für die Anschaffung eines Elektroautos (3.000 Euro für ein Hybridfahrzeug) fallen steuerlich drei Aspekte ins Gewicht, wenn das Dienstfahrzeug ein Elektroauto ist:

  1. der „geldwerte Vorteil“ der Nutzung
  2. die Nutzung der Ladeinfrastruktur
  3. die Absetzbarkeit der Stromkosten

1. Geldwerter Vorteil bei Nutzung von E-Autos als Dienstfahrzeug

Ein Dienstwagen vom Arbeitgeber gilt als „geldwerter Vorteil“, der wie ein Einkommen zu versteuern ist. Ein Prozent des Brutto-Listenpreises sind pro Monat zu versteuern, also beispielsweise 500 Euro für ein Fahrzeug, das brutto 50.000 Euro gekostet hat. Wie viel tatsächlich gezahlt wurde, also welcher Rabatt etwa ausgehandelt wurde, fließt in die Rechnung nicht ein.

Nachteilsausgleich für E-Autos: Die Rechnung ohne Akku

Beim Elektroauto fallen die Akkus nicht nur beim Gewicht auf: Sie sind auch die teuerste Komponente der Fahrzeuge. Der Gesetzgeber anerkennt dies bei der Dienstwagenbesteuerung. Der Verbreitung von Elektroautos soll es nicht im Wege stehen. Deshalb räumt der Gesetzgeber einen „Nachteilsausgleich“ ein: Die hohen Akkukosten werden nicht vollständig besteuert.

„Der sogenannte steuerliche Nachteilsausgleich soll bei Elektrofahrzeugen die Kosten für die im Listenpreis enthaltenen Batteriesysteme abfedern und insoweit eine Gleichstellung mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bei der Besteuerung der Entnahme/des geldwerten Vorteils für die private Nutzung herbeiführen.“

Höchstbetrag für Nachteilsausgleich sinkt

Seit 2013 regelt das „Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz“, welche Beträge pauschal als Wertanteil des Batteriesystems auszuklammern sind. Dabei legt der Gesetzgeber einerseits den Betrag fest, um den Listenpreis zu verringern: Für alle Elektrofahrzeuge, die bis 2013 oder früher zugelassen wurden, sind es 10.000 Euro.

Andererseits erwartet das Gesetz, dass die Kapazität der Elektroauto-Batterien stark steigt und die Akkupreise mit der steigenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen kontinuierlich fallen werden. Deshalb sinkt der Höchstbetrag jährlich um 500 Euro und wird 2022 nur noch 5.500 Euro betragen. Pro Kilowattstunde Batteriekapazität sieht das Gesetz einen jährlich um 50 Euro fallenden Minderungsbetrag vor.

Die folgende Tabelle zeigt, wie der Höchstbetrag Jahr für Jahr sinkt und welcher Betrag je Kilowattstunde als Nachteilsausgleich angesetzt werden kann:

Erstzulassung des E-AutosMinderungsbetrag (€ je kWh)Höchstbetrag (€)Grenzwert für die pauschal geförderte Batteriekapazität (kWh)
bis 201350010.00020,0
20144509.50021,1
20154009.00022,5
20163508.50024,3
20173008.00026,7
20182507.50030,0
20192007.00035,0
20201506.50043,3
20211006.00060,0
2022505.500110,0

 

Die Evaluierung im Auftrag des Bundesfinanzministeriums 2017 hat die Annahmen des Gesetzgebers 2013 bestätigt. Nicht berücksichtigt ist die Entfernungspauschale, falls die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz mit dem Dienstwagen erfolgen.

Fahrtenbuch statt 1-Prozent-Regel?

Je nach Anteil der privaten Nutzung kann es für den Fahrer des Dienstwagens ein Vorteil sein, nicht pauschal, sondern nach den tatsächlichen Kosten abzurechnen. Wer zum Beispiel nur wenige private Fahrten unternimmt, will es eher vermeiden, nach der 1-Prozent-Regel einen hohen geldwerten Vorteil zu versteuern. In diesem Fall verfährt das Gesetz analog: „Die Aufwendungen [werden] um die darin enthaltenen Kosten für das Batteriesystem in Höhe des pauschalen Minderungsbetrages gemindert.

2. Nutzung der Ladeinfrastruktur

Ob Dienstwagen oder Privat-Pkw, wer ein Elektroauto fährt, braucht eine Ladelösung. Ob man zuhause lädt oder im Betrieb, macht bei den Kosten einen großen Unterschied. So sieht es auch das Finanzamt. Und bietet eine vorteilhafte pauschale Besteuerung: Übereignet der Arbeitgeber dem Nutzer des Firmenfahrzeugs eine Ladeeinrichtung, wird dies pauschal mit 25 Prozent besteuert. Diese Leistung bleibt frei von Sozialabgaben. Zahlt der Arbeitgeber nur einen Zuschuss für die Anschaffung einer Ladeeinrichtung, die der Firmenwagen-Fahrer selbst übernimmt, wird die Lohnsteuer ebenfalls mit 25 Prozent pauschaliert.

Solange die Ladeinfrastruktur für Elektroautos noch weiße Flecken aufweist, kann eine mobile Ladeeinrichtung im Kofferraum die beste Lösung sein. Überlässt sie der Arbeitgeber leihweise zur privaten Nutzung, bleibt dies steuerfrei.

Bund fördert Ausbau der Ladeinfrastruktur

Für Unternehmen, die ihren Fuhrpark um Elektroautos erweitern, empfiehlt es sich ohnehin, eine eigene Ladeinfrastruktur aufzubauen, Sie können dafür bei der bundeseigenen KfW-Bank (kfw.de) zinsvergünstigte Kredite erhalten. Unter den Programmnummern 240 und 241 kann man sich im Detail informieren. Beantragt wird ein solcher Kredit bei einem Finanzierungspartner der KfW – das kann die eigene Hausbank sein.

3. Absetzbarkeit der Stromkosten

Wer noch mit einem Verbrennungsmotor im Dienstwagen fährt, sammelt in aller Regel Tankbelege. Oft erstattet der Arbeitgeber alle Beträge. Und beim Elektroauto? Hier fallen zwei gravierende Unterschiede auf. Zum einen liegen die Betriebskosten von Elektroautos deutlich niedriger: Bei einem Verbrauch von 15 Kilowattstunden auf 100 Kilometern entstehen Kosten von etwa fünf Euro; für einen PKW, der etwa sieben Liter Kraftstoff „schluckt“, schlagen zehn Euro zu Buche. Zum anderen jedoch sind die Kosten schwer zu belegen. Schließlich gibt es weder im Fahrzeug noch an der Ladesäule eine geeichte, steuer- und gerichtsfeste Verbrauchserfassung.

Schlanke Pauschalen für Stromkosten

Der Gesetzgeber hat die steuerlichen Regeln im Interesse der Entbürokratisierung einfach gehalten: Abgerechnet wird pauschal. Das kostenlose oder verbilligte Laden beim Arbeitgeber ist komplett steuerfrei. Dabei spielt es keine Rolle mehr, ob die Überlassung und Nutzung des Elektroautos nach der 1-Prozent-Regel oder mit Fahrtenbuch erfolgt.

Lädt der Fahrer eines Firmen-Elektroautos sein Fahrzeug zuhause, kann er dies steuermindernd geltend machen. Für alle denkbaren Fälle gibt es monatliche Pauschalen, die dem Fahrer eines Firmenwagens steuerbefreit als Auslagen ersetzt werden

Laden beim Arbeitgeber möglich

  • 20 Euro für Elektrofahrzeuge
  • 10 Euro für Hybridfahrzeuge

Laden beim Arbeitgeber nicht möglich

  • 50 Euro für Elektrofahrzeuge
  • 25 Euro für Hybridfahrzeuge

Ausblick: Große Koalition will Dienstwagen steuerlich besserstellen

Nach einem Beschluss des Bundeskabinetts vom 31. Juli 2018 soll die private Nutzung von Dienstwagen für neu zugelassene Elektrofahrzeuge und Hybride zwischen 2019 und 2021 nur noch mit 0,5 Prozent des Listenpreises monatlich besteuert und somit halbiert werden. Der Nachteilsausgleich soll ausgesetzt werden. Bund und Länder erwarten infolge dieser Förderung Steuermindereinnahmen von 2 Milliarden Euro. Die Länder müssen diesen Plänen im Bundesrat noch zustimmen.

Bei vielen europäischen Nachbarn orientiert sich die Besteuerung und Absetzbarkeit eines Dienstwagens am CO2-Ausstoß, um eine Lenkungswirkung für umweltfreundlicheres Fahren zu schaffen. In diese Richtungen gehen – vermutlich – die Pläne der Bundesregierung.

Fazit: Jeder kann mitmachen

Wer seine persönliche Mobilität ein Stückchen grüner machen möchte, sollte es auch bei seinem Arbeitgeber versuchen und über ein Elektroauto verhandeln. Schließlich dient es auch seinem guten Image als innovatives, zukunftsfähiges Unternehmen.

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