Elektroauto gebraucht kaufen: Junges Paar lässt sich vom Verkäufer beraten

Elektroauto gebraucht kaufen

Lieber neu oder gebraucht? Elektroautos werden oft nur in kleinen Stückzahlen gebaut und haben lange Lieferzeiten. Wollen Sie zwölf Monate warten? Gebrauchte Fahrzeuge können da eine Alternative sein. Zumal Neufahrzeuge oft teuer sind.

Wer ein Elektroauto erwirbt, dem geht es wie den meisten Käufern: Man muss schon genau wissen, was man will. Der Markt ist zwar klein, doch er bietet etliche interessante Optionen. So kommen beispielsweise vermehrt Leasingfahrzeuge auf den Gebrauchtwagen-Markt, deren Vertrag ausgelaufen ist. Allerdings hält das schmale Angebot – zur Freude der Leasingunternehmen – den Wiederverkaufswert der Gebrauchten hoch. Käufer müssen also relativ tief in die Tasche greifen.

Wo kauft man ein gebrauchtes Elektrofahrzeug?

Wer aus dem größten Angebot wählen will, startet auf den beiden großen Gebrauchtwagen-Portalen autoscout24.de und mobile.de. Mitte September 2018 hatte mobile.de etwa 15.000 Hybridfahrzeuge im Angebot. Das entspricht einem Anteil von einem Prozent und spiegelt ihren Marktanteil wider. Reine Elektroautos wurden nur gut 4.000 (bei autoscout24.de 3.000) angeboten. Davon waren bei mobile.de circa 1.000 Renault-, 440 Nissan- und immerhin 360 Fahrzeuge der Marke Tesla (letztere 120-mal bei autoscout.de) vertreten.

Auch die Hersteller selbst bieten regelmäßig neue und weniger neue Gebrauchte an. So möchte hey.car, von VW im Oktober 2017 ins Leben gerufen, den etablierten Portalen Konkurrenz machen – und Daimler will sich offenbar in größerem Umfang beteiligen. Hersteller-Portale wie www.qualitaets-gebrauchtwagen.de (Peugeot) und andere sind übersichtlich, bieten dafür eine Reihe von Dienstleistungen mit an, etwa bei Garantie oder Finanzierung.

Kaufen beim Händler bringt immer mehr Sicherheit, Leasing-Fahrzeuge werden ohnehin professionell vermarktet: Gewerbliche Verkäufer müssen Gewährleistung bieten.

So klappt es mit der Pobefahrt

Wer sich mit Elektroautos noch nicht auskennt, sollte einen Freund oder Bekannten mitnehmen, der schon Erfahrung hat. Am besten bringt er technische Kenntnisse mit, kann eine Probefahrt sachkundig beurteilen – und am Ende geschickt verhandeln.

Es wird oft empfohlen, die Akkus des Elektroautos vollzuladen und eine Probefahrt mit Entertainment, Navi, Sitzheizung und Klimaanlage, um die tatsächliche Reichweite zu ermitteln. Realistisch? Nicht jeder Verkäufer wird sich auf eine so lange Probefahrt einlassen. Auf jeden Fall sollte man auf einem Akku-Test und Gütezertifikat bestehen. Wichtig ist auch: Es gibt Modelle mit unterschiedlicher Kapazität der Batterie. Fast ohne Ausnahme ist der neuere Akku der größere und bessere.

Allgemeines zum Fahrzeugzustand

Elektroautos sind oft Zweitwagen mit wenigen Kilometern auf dem Buckel. Auch eine hohe Laufleistung ist fast immer unproblematisch. Der Elektroantrieb weist weniger Verschleißteile auf, der Motor ist einfach aufgebaut, Kupplung und Getriebe werden nicht benötigt. Allerdings verschleißen die Reifen beim E-Auto schneller. Die Bremsen hingegen halten deutlich länger: Wegen der Rekuperation werden sie beim Elektroauto viel weniger beansprucht. In jedem Fall sollten sie aber kräftig zupacken.

Was außerdem zu beachten ist

  • Ob das Fahrwerk in Ordnung ist, merkt man sehr schnell beim Fahren. Hat die Karosserie Beulen, die Scheiben Kratzer, schließen die Türen perfekt?
  • Der Kilometerstand verrät viel, aber nicht alles über die Intensität der Nutzung. Man sollte darauf achten, dass das Fahrzeug eine möglichst neue Hauptuntersuchung hat.
  • Auch das gebrauchte Modell hat wie jedes Elektroauto Zubehör. Das Ladekabel sollte wie alles andere gut in Schuss sein und von sorgfältiger Behandlung zeugen.

Um den Allgemeinzustand eines Fahrzeugs zu beurteilen, kann man die Checkliste des ADAC oder der Dekra heranziehen. Versicherer bieten ebenfalls nützliche Checklisten.

Fachwerkstätten, ADAC, Dekra und TÜV bieten Gebrauchtwagenchecks an. Die Kosten von 100 Euro und mehr sind für den Verkäufer eine gute Investition und geben dem Käufer die Sicherheit, dass keine offensichtlichen Schäden vorliegen. Allerdings gibt es derzeit nur wenige Fachleute für Elektroautos.

Das Scheckheft, bitte!

Die Papiere wie das Scheckheft zu prüfen gehört dazu, vor allem, wenn man von privat kauft. Regelmäßige Wartungsintervalle in gleichmäßigen Abständen belegen ein einwandfreies „Vorleben“ des Fahrzeugs. Ohne eine genaue Dokumentation fällt es schwer, Garantieansprüche durchzusetzen.

Der Akku – kein Sorgenkind

Akkus altern – nach vielen Jahren und Ladezyklen büßen sie Kapazität ein; die Reichweite des Fahrzeugs sinkt. Ängste sind jedoch unbegründet: Im Laufe Zeit wurden die Modelle technisch verbessert, fahren weiter und verbrauchen weniger Energie. Je neuer die Fahrzeuge sind, desto besser ist in der Regel die Qualität der Akkus und die der E-Motoren. Außerdem bieten viele Hersteller neuere Modelljahrgänge mit einem Akku höherer Kapazität an.

Ob man wie beim Nissan Leaf 20 oder 40 Kilowattstunden im „Tank“ hat, macht fürs Laden und Fahren eben einen großen Unterschied. Beim Leaf ergab ein Langzeittest über 80.000 Kilometer, dass die Reichweite in dieser Zeit um 11 Prozent sank. Die Alltagstauglichkeit des Fahrzeugs hat nicht gelitten.

Mitsubishi nennt für seinen MiEV einen jährlichen Verlust an Kapazität von 2,5 Prozent, wenn täglich geladen wird. Also wären nach zehn Jahren noch etwa 75 Prozent Leistung und Reichweite verfügbar. Eine anonyme Auswertung von 100 Tesla-Fahrzeugen im Jahr 2015 ergab eine Restkapazität von 80 bis 85 Prozent nach 160.000 Kilometern Fahrstrecke.

Auf Herz und Nieren: Akkudaten auslesen und dokumentieren

So einfach bringen sich Käufer auf die sichere Seite: Sie lassen den Alterungszustand des Akkus und seine nutzbare Kapazität, den „state of health“ (SOH), auslesen. Die Leistungsdaten des Akkus können über die Datenschnittstelle des Fahrzeugs ermittelt werden. Ein seriöser Verkäufer wird die Ergebnisse einem Käufer schriftlich bestätigen.

Die meisten Hersteller garantieren eine Lebensdauer von acht Jahren oder 150.000 Kilometern. Diese Garantie erwirbt der Käufer eines gebrauchten Elektroautos mit, zusätzlich zur Gewährleistungspflicht des Händlers.

Neue Batterie oder Reparatur?

6.000 Euro, 10.000 Euro, 15.000 Euro – für den Austausch oder auch nur ein Upgrade des Akkus kursieren horrende Summen. Doch ein kompletter Tausch ist selten notwendig. Zelldefekte lassen sich durch eine Reparatur und ihren Austausch beheben. Bei einer Konditionierung werden Zellspannungen geglättet. Je nach Modell und Hersteller kostet das nur einen Buchteil der oben genannten Summen.

Weitere Möglichkeit: Akku zur Miete

Wer ein gebrauchtes Elektroauto kauft, geht erst recht kein Risiko ein, wenn die Batterie gemietet ist. Man zahlt zwar zusätzlich einen festen monatlichen Betrag, meist zwischen 60 und 120 Euro, kauft das Auto aber günstiger. Vorteil: Der Hersteller gibt eine Garantie und tauscht den Akku im Falle eines Falles kostenfrei aus.

Neu oder gebraucht? Auch das sollte man berücksichtigen

Elektroautos werden beim Kauf günstiger, weil die Akkupreise sinken und die Technik sich verbreitet. Im Unterhalt können sich Besitzer Kostenvorteile von 25 bis 33 Prozent ausrechnen. Die weitere Wertentwicklung ist schwer abzuschätzen; der technische Fortschritt entwertet alte Modelle, speziell bei der Ladetechnik und den Akkus. Doch die Sorge vor einem hohen Wertverlust scheint unbegründet: Marktbeobachter Schwacke hat in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Auto Bild“ nach vier Jahren einen Restwert knapp unter 60 Prozent ermittelt.

Ein kurzer Blick auf die Bundesförderung für Elektrofahrzeuge: Der Neuwagen erhält eine Umweltprämie, ein gebrauchter erhält sie nicht; dafür bleiben die zehn Jahre Kfz-Steuer-Befreiung – hat man schon. Mit einem Batterie-Leasing senkt man die Anschaffungskosten und zahlt stattdessen eine feste monatliche Rate. Sie hat fast den Charakter einer Versicherungsprämie für den weiterhin kostspieligen Akku.

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