Öffentliches Laden wird einfacher: Der Gesetzgeber verlangt es, Roaming-Dienstleister realisieren es.

Wie zahle ich an der Stromtankstelle?

Für das Laden eines Elektroautos an der Ladesäule zu zahlen ist kompliziert? Das Vorurteil gehört der Vergangenheit an: Die Regeln für neue Ladestationen vereinfachen vieles, neue Angebote für Bezahlsysteme sorgen für unkompliziertes Roaming. Das Ziel: Laden überall, auch ohne Vertrag.

Meistens laden Fahrer von Elektroautos zuhause - bequem an einer Wallbox, fünf- bis zehnmal so schnell wie an der Steckdose. Wenn sie eine Wallbox anschaffen, gibt es oft eine Förderung vom regionalen Stromanbieter. Er kann einen geeigneten Handwerker empfehlen und hat vielleicht einen speziellen „Autostrom“-Tarif parat. Und wie sieht es mit dem Laden im öffentlichen Raum aus? Vor allem: Wie bezahlt man?

Elektroauto kostenlos laden: Beim Energieversorger, Hotel, Arbeitgeber

Wenn Sie Glück haben, ist die kostenlose Ladesäule beim Energieversorger oder am Rathaus gerade frei. Doch diese Gratis-Lademöglichkeiten werden seltener.

Weitere Ladestationen öffnen Kunden von Restaurants und Hotels, von Lebensmittel- Supermärkten, Möbelhäusern und Baumärkten, die damit um Kunden werben. Der Zugang ist meist individuell geregelt und richtet sich nach den Öffnungszeiten. Im Trend liegen anbieterspezifische Apps – schließlich geht es darum, dass die Kundschaft gern und öfter vorbeikommt.

Wer bei seinem Arbeitgeber sein Elektroauto laden kann, hat’s gut. Benzin würde er Ihnen nicht schenken. Strom laden, ohne steuerliche Nachteile befürchten zu müssen, darf er erlauben. Man parkt und lädt kostenlos während der Arbeitszeit. Firmen dürfen Beschäftigten sogar eine mobile Wallbox zur Nutzung überlassen.

Öffentlich laden und zahlen

Um das Wirrwarr von Bezahlsystemen für öffentliche Ladestationen und die wachsende Ladeinfrastruktur aufzulösen hat der Gesetzgeber im März 2016 eine Verordnung erlassen. Die Ladesäulenverordnung (LSV) schreibt technische Standards vor, die auch das Bezahlen regeln.  Zentrale Vorgabe: Wer eine öffentliche Ladesäule betreibt, muss sie auch für punktuelles oder „spontanes“ Laden öffnen. Das heißt: Auch das Laden ohne vorherige Authentifizierung oder eigene Ladekarte muss möglich sein.

Viele Zahlungswege

Hier eine Auswahl der gängigsten Möglichkeiten, an der Stromtankstelle zu bezahlen:

Neben diesen vorgegebenen Wegen existieren weitere Möglichkeiten. Nach Freigabe der entsprechenden Mehrwertdienste gegenüber seinem Mobilfunkbetreiber kann ein Fahrer beispielsweise auch per SMS zahlen.

Elektrofahrer werden in naher Zukunft vermutlich an nahezu jeder Ladesäule sowohl spontan als auch vertragsbasiert zahlen können.

E-Roaming: Laden überall dank Ladekarte

Ob die einzelne Ladestation attraktiv ist, darüber entscheidet oft die Ladekarte, die ein Betreiber an seine Kunden ausgibt: Sie soll möglichst überall funktionieren, so wie ein Smartphone reibungslos in allen Mobilfunknetzen funktioniert.

Roaming ist der Schlüsselbegriff fürs elektrische Laden. Anders als beim Mobilfunk, bei dem der Begriff Roaming vor allem auf Auslandsreisen zutrifft, ist das Roaming beim E-Auto nicht nur aufs Ausland beschränkt. Ein Beispiel: Die Stadtwerke Erfurt betreiben Ladestationen und versehen ihre Kunden mit einer Ladekarte für die eigenen Stationen. Wenn das Elektroauto nun nach Aachen fährt, tut die Ladekarte dort das Gleiche: Sie authentifiziert den Fahrzeugnutzer und öffnet ihm die Ladestation, die zeit- oder volumenbezogen das Laden inklusive Abrechnung managt. Dem Nutzer stehen also auch Ladestationen von Roaming-Partnern der Stadtwerke Erfurt zur Verfügung, an denen zum einheitlichen Tarif Strom getankt werden kann.

Viele Ladekarten integrieren einen RFID-Chip, der berührungsloses Zahlen ermöglicht.

Verbund für E-Roaming: Anbieter mit Ladekarten

  • Einer der größten Roaming-Anbieter am Markt ist das Partner-Netzwerk ladenetz.de, einem Verbund von 212 Stadtwerken und weiteren Kooperationspartnern, der über eine Marktabdeckung etwa 60 Prozent verfügt.  Auch Business Partner können ladenetz.de beitreten und Teil eines deutschlandweiten Netzwerks werden, das seinen Kunden komfortable Elektromobilität, E-Roaming und weitere Mobilitätsdienstleistungen verspricht.
  • ladenetz.de bietet eine einfache Nutzung sämtlicher Ladestationen der Partner mit deutlich über 5.000 eigenen angeschlossenen Ladepunkten. Hinzu kommen rund 13.000 weitere Ladepunkte, die durch Roaming-Abkommen auf nationaler sowie internationaler Ebene den Kunden der Stadtwerke-Partner zur Verfügung stehen. Diese sind unter der Roaming-Plattform e-clearing.net zusammengefasst, die mit rund rund 30.000 Ladepunkten für 220.000 Fahrer die größte E-Roaming-Plattform Europas darstellt. Tanken können Sie einfache mit der Ladekarte oder der App "ladepay".
  • Ein weiterer Roaming-Anbieter ist Hubject. Die Roaming-Plattform versteht sich als „B2B-Marktplatz für Dienstleistungen rund um das Laden von Elektrofahrzeugen“ und bietet 200.000 Ladepunkte auf drei Kontinenten. Über seine Plattform „intercharge“ verbindet das Berliner Unternehmen die unterschiedlichsten Partner, die jeweils eigene Dienstleistungen anbieten. Überall wo das „everywhere“ von intercharge auf einer Ladestation zu lesen ist, können Fahrer von Elektroautos Anbieter-übergreifend laden. Karte oder Vertrag mit einem der 600 Hubject-Partner genügen. Wenn beides fehlt, klappt das Laden trotzdem, mit intercharge direct. Ohne Vertrag und ohne Anmeldung zahlt man eben mit Kreditkarte oder via Paypal.
  • Ähnlich wie intercharge funktioniert Plugsurfing als App. Sie dient der Suche nach Ladestationen, der Authentifizierung wie der Bezahlung. Plugsurfing nennt sich aufgrund der Zusammenarbeit mit vielen Partnern „Europas größtes Ladenetzwerk“, insgesamt bietet der Anbieter 130.000 Ladestationen europaweit. Dank seiner Variabilität und mehrerer Zahlungsmethoden, unter denen Nutzer wählen können, macht das Laden einfach.

Wie attraktiv das Geschäftsfeld ist, zeigen die Neueinsteiger. Die ökologisch orientierte GLS-Bank, die ethische Investments fördert und viele Projekte um erneuerbare Energien angestoßen hat, steigt mit einem alternativen Bezahlsystem ein. Wie es funktioniert: schlicht mit EC- oder Kreditkarte mit Funkchip.

2018 startete die Deutsche Telekom den Aufbau Ihres eigenen Ladenetzes „GET CHARGE“ und bietet seit Dezember 2018 eine Ladekarte oder App an, mit denen man sein Elektroauto an mehr als 56.000 Ladepunkten europaweit (davon befinden sich 20.000 in Deutschland) ab 0,04 Euro/Lademinute laden kann.  Abgerechnet wird monatlich. Bezahlen ist bequem per Bankeinzug möglich.

Auch Tankkarten-Anbieter für gewerbliche Fahrzeuge springen auf den fahrenden Zug auf und offerieren ähnliche Lösungen. Sogar spezialisierte Angebote für Hybridfahrzeuge finden sich darunter. Gespannt sein darf man auf innovative Anbieter wie „Has to be“ und viele andere, die ihre Mobilitätsangebote – übers Laden hinaus – in neuartigen Kombinationen anbieten.

Zahlen an der Stromtankstelle: Endlich einfach

Das lange beklagte „Lade-Chaos“ wird mehr und mehr der Vergangenheit angehören. Auch kleine Betreiber einzelner Ladestationen bieten das Roaming in den Lade-Netzwerken – und oft zu gleichen Bedingungen für alle Angehörigen im ladenetz.de, intercharge- oder PlugSurfing-Verbund. Die berechtigten Klagen wegen vieler Unklarheiten bleiben im Einzelfall bestehen, aber sie werden seltener. Fragen wie: Wofür bezahle ich? Wie bezahle ich? An wen bezahle ich eigentlich? Gibt es versteckte Gebühren? klären sich unter dem heilsamen Druck der Vernetzung.

Mit ISO 15118 wurde im März 2019 ein internationaler Standard verabschiedet der das Laden endgültig vereinheitlichen soll. Das Strom tanken von E-Autos soll damit noch bequemer und sicherer werden. Der Standard stellt sicher, dass die Kommunikationsprozesse zwischen der Ladeinfrastruktur und dem Fahrzeug vor Manipulation und Zugriffen von außen geschützt sind. Ähnlich wie bei den Tesla – Supercharger könnten auch Nicht-Tesla-Fahrer ankommen, das Auto anstöpseln und fertig. Die Authentifizierung des Fahrzeugs, die Registrierung des Preises und der Abrechnungsprozess werden dabei automatisch von der Software im Fahrzeug abgewickelt.

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