Tuning ist out – doch beim Sounddesign für Elektroautos entstehen die Fahrgeräusche im Labor.

E-Auto: Der Sound der Zukunft

Elektroautos sind leise. Gut! Aber hören sollte man schon, wenn ein Pkw auf einen zurollt. Eine Herausforderung und Chance für Sounddesigner: Sie tüfteln am unverwechselbaren Klang.

Autos und Motorräder können eine Landplage sein. Manche hört man kilometerweit. Genauer gesagt: solche mit Verbrennungsmotor. Zeitgenossen mit nervösem Gasfuß ist der Sportauspuff lieb und teuer, um ihr Fahrzeug einzigartig zu machen. Dafür wird nicht nur das Fahrwerk tiefer gelegt, sondern auch der Klang aufgebohrt.

Die Sicherheit verlangt: Besser laute Geräusche als leise

Elektroautos dagegen sind leise. Bei niedrigen Geschwindigkeiten hört man – fast nichts, außer dem Abrollgeräusch der Reifen, je nach Fahrbahnbelag. Und der Motor? Röhrt nicht, knattert nicht, stinkt nicht. Doch unsere vom Verkehr eigentlich gestressten Ohren sind darauf geeicht, dass Autos Lärm machen.

Die  Folge: Manchmal wird glatt vergessen, was wir im ersten Schuljahr lernen. Links gucken, rechts gucken, nochmal links gucken – dann erst, wenn kein Fahrzeug kommt, die Straße überqueren.

"Eine akustische Warnung im E-Auto ist sinnvoll", erklärt Carsten Reinkemeyer, Leiter der Allianz-Sicherheitsforschung in einem Radio-Interview, "wir sind es gewohnt, dass wir den Motor eines anfahrenden Autos hochdrehen hören. Ich kann gut verstehen, dass sich ein Fußgänger erschreckt, wenn sich ein Auto plötzlich ohne Vorwarnung bewegt."

EU-Vorschrift greift 2019

Der Gesetzgeber stuft die Lautlosigkeit der neuen Mobilität als Risiko ein. Vor allem Sehbehinderte orientieren ihr Verhalten im Straßenverkehr stark an der Geräuschkulisse. Fehlt sie, fehlt auch die gewohnte Orientierung. Studien zufolge steigt das Unfallrisiko um 20 Prozent, wenn der akustische Warneffekt entfällt.

Vom kommenden Jahr an müssen Elektroautos deshalb Lärm machen – so viel jedenfalls, dass vom leisen Fahren keine Gefahren ausgehen. Ein "akustisches Fahrzeugwarnsystem" („Acoustic Vehicle Alert System“ – AVAS), also ein elektrischer Warngeräuschgenerators, wird zur Jahresmitte 2019 für alle neu entwickelten Fahrzeugtypen in der Europäischen Union Pflicht. Von Juli 2021 an ist ein "Schallzeichen" für alle Neuzulassungen von Elektro- und Hybridautos vorgeschrieben. Die Lautstärke soll 50 Dezibel bei 10 km/h und 56 Dezibel bei 20 km/h betragen. Eine vergleichbare Vorschrift existiert bereits in den USA.

So soll er klingen: Der Sound der E-Autos

(Beispiel der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen)

E-Auto: Akustik wie ein Verbrenner?

Außerdem muss der Klang kommende Fahrzeugaktionen, zum Beispiel anfahren, stoppen oder beschleunigen, klar deutlich machen. Der Klang selber ist nicht vorgeschrieben; die Hersteller dürfen sich also etwas einfallen lassen. Doch der Phantasie sind Grenzen gesetzt: Laut Vorschrift soll die Akustik eines Elektrofahrzeug dem Klang eines Verbrenners ähneln.

Das künstlich erzeugte Fahrgeräusch soll andere Verkehrsteilnehmer bei Geschwindigkeiten unter 20 Stundenkilometern vor der Annäherung eines Elektromobils warnen. Es muss laut EU-Vorschrift nach Fahrzeug klingen, nicht nach Bach oder Beethoven, nicht Hundebellen oder Vogelstimmen nachbilden. Tonhöhe und -frequenz, Klangfarbe und Rauigkeit sollen anzeigen, wie schnell das Auto fährt, welcher Größenklasse es zuzuordnen ist, ob es aktuell beschleunigt oder verzögert.

Elektrische Geräusche aus dem Labor

Das Berufsbild des Sounddesigners ändert sich mit der Elektromobilität gewaltig. Jahrzehnte lang brachte der Motor, ob Achtzylinder oder Zweitakter, ob Benziner oder Diesel, seinen eigenen Klang mit. Sounddesigner waren für ein unverwechselbares, markentypisches Geräusch zuständig. Im Innenraum sollte es vor allem leise zugehen, Schwingungen etwa vermieden werden. Türen und Motorraum sollten "wertig" klingen, ein Bentley anders als ein VW.

Zu tiefe Töne eignen sich ebenso wenig wie sehr hohe Frequenzen. Ein Dauerton ist nicht verlangt – eher ein Signalton im Fall von Gefahren. Er muss nachts auf einer einsamen Landstraße nicht so laut sein wie mittags an einer belebten Kreuzung. Europäische Hersteller sind sich weitgehend einig: Piepsen wie ein rückwärts fahrender LKW sollen ihre Modelle keinesfalls.

Klang transportiert Marken-Feeling

Neben dem Warneffekt soll der Klang auch dem Fahrer eine positive emotionale Rückmeldung geben. So erzeugen die Tesla-Spitzenmodelle eine spezielle Benziner-Akustik, als wäre vorn ein Achtzylinder verbaut und im Heck säße ein Auspuff.

Die hohe Schule der Psychoakustik verlangt beides: Das Elektroauto soll individuell und unverwechselbar sein – auch im Sound. Aus Markensicht kann das im Idealfall als Kaufargument dienen. Zwar könnte ein BMW oder Mercedes in China anders klingen als in Nordamerika, doch die bayerische wie die schwäbische Marke hat entschieden: Ihre Elektroautos sollen überall auf der Welt mit dem gleichen Klang Markenbotschafter sein. Kunden sollen diesen Klang als angenehm empfinden– nicht als abschreckenden Warnton.

Ein Kompromiss? 2016 haben die Forscher vom deutschen CAR-Institut bedauert, die Vorzüge der Elektroautos – das geräuschlosere Fahren – künstlich zu zerstören". Hugo Fastl, als Professor für Mensch-Maschine-Kommunikation an der Technischen Universität München (TUM) mitbeteiligt an den in jeder Hinsicht "sensiblen" Entwicklungen, plädiert für eine automatische Fußgänger-Erkennung am Fahrzeug: Sobald ein Fußgänger in der Nähe ist, schlägt der Lärmgenerator an. Den vorgesehenen Ausschaltknopf für das AVAS halten Unfallforscher für kontraproduktiv.

Film-Beitrag "Der Sound der E-Autos" auf 3sat nano


Aufmacherbild: Sounddesigner Prof. Dr.-Ing. Hugo Fastl; Lehrstuhl für Mensch-Maschine-Kommunikation, Technische Universität München in seinem Sound-Labor. (Bild: Uli Benz / TUM)

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