Immer mehr Elektroautos kommen als Dienstwagen und Flottenfahrzeuge zum Einsatz

Die E-Flotte: Elektroautos in Fuhrparks

Elektroautos werden durch die 0,5-%-Regel als Dienstwagen und Flottenfahrzeuge noch attraktiver. Wie sich die Umrüstung des Fuhrparks auf Elektroantrieb bewerkstelligen lässt und warum manche Unternehmen ganz neue Wege gehen, erfahren Sie hier.

Kaum zu glauben: Fast ein Drittel der deutschen Fuhrparkbetreiber hat bereits Elektrofahrzeuge in der Flotte oder möchte zeitnah welche anschaffen, so das Ergebnis des CVO Fuhrpark-Barometers 2018.

Die jährliche Befragung des herstellerunabhängigen Leasinganbieters Arval ergab aber auch, dass deutsche Fuhrparkmanager den Einsatz von alternativen Technologien wie Elektro- und Hybridantriebe, Gas- und Brennstoffzellentechnologien immer noch skeptischer betrachten als ihre Kollegen in anderen europäischen Ländern.

Das mag zum einen an den bislang höheren Anschaffungskosten für E-Autos liegen sowie an den Mehrkosten für Installation und Anschluss von Ladestationen. Denn für große Flotten müssen die bestehenden Hausanschlüsse für den höheren Strombedarf angepasst werden. Zum anderen verfolgen viele Fuhrparks eine konkrete Markenstrategie, meist mit deutschen Autoherstellern – und die kommen bei alternativen Antrieben erst jetzt langsam auf Touren.

In rund 1,6 Millionen deutschen Firmenfuhrparks sind etwa 4,5 Millionen Pkw und Kleintransporter als Flottenfahrzeuge unterwegs.

Dieseldebatte macht E-Fahrzeuge attraktiver

Die aktuelle Dieseldebatte beeinflusst auch massiv die Fuhrparkpolitik deutscher Unternehmen, welche Fahrzeuge in Zukunft neu angeschafft werden sollen. „Lange Jahre waren Dieselfahrzeuge in 99 Prozent der Fälle die einzige sinnvolle Entscheidung für die Flotte“, sagt Marcus Schulz, Vorstandsvorsitzender des Verbandes markenunabhängiger Fuhrparkmanagementgesellschaften (VMF). „Zwischen Fahrverbotsdebatten und immer alltagstauglicheren Elektrofahrzeugen hat sich diese Pauschalregel aber vor allem in den vergangenen Monaten aufgeweicht.“

Der Anteil von Diesel-Pkw in Fuhrparks betrug im Oktober 2018 der Deutschen Automobil Treuhand zufolge noch 85 Prozent. Doch die Akzeptanz von Elektroautos nimmt stark zu, nicht nur weil viele neue E-Modelle mit Reichweiten von rund 500 Kilometern und mehr punkten können, sondern auch weil viele Firmen das Thema Nachhaltigkeit zum Mittelpunkt ihrer Firmenphilosophie machen. Und dann ist die eigene Fotovoltaikanlage auf dem Dach nicht mehr weit. Und die Erkenntnis der Controlling-Abteilung, dass mit selbst produziertem Strom Firmenelektroautos ja praktisch kostenlos fahren.

Die Zwischenbilanz zum Antragsstand der Elektroauto-Kaufprämie beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zeigt, dass mehr als die Hälfte der Anträge bisher von Unternehmen gestellt wurden. Denn immer mehr E-Autos liegen laut Kostenvergleich des ADAC gleichauf mit Benzin- und Dieselmodellen oder sind sogar günstiger.

Elektroautos sorgen für gutes Firmenimage

Und immer mehr Firmen gehen mit gutem Beispiel voran: Der Walldorfer Software-Gigant SAP kündigte an, bis 2020 den Elektroauto-Anteil der weltweit mehr als 26.000 Fahrzeuge zählenden Firmenflotte von fünf auf 20 Prozent zu erhöhen und eine eigene Ladeinfrastruktur aufzubauen. 5.000 Elektroautos will SAP allein in Deutschland einsetzen, Mitarbeiter dürfen an den Ladestationen ihre Firmenwagen kostenlos mit Strom aus erneuerbaren Quellen laden.

Zur Verwaltung und Steuerung der Fahrzeugflotte, zur Authentifizierung bei der Benutzung von Ladesäulen und für deren Lastmanagement entwickelte SAP sogar eine eigene Software. Das senkt nicht nur CO2-Emissionen und laufende Kosten der Firmenflotte, SAP punktet mit dem positiven Image der umweltschonenden Autos auch bei Kunden, Mitarbeitern und der Gesellschaft.

E-Autos im Fuhrpark: Auch für KMU interessant

Doch selbst für kleine Unternehmen sind E-Autos interessant. Roland Schüren, Bäckermeister und Chef von „Ihr Bäcker Schüren“, nutzt zum Beispiel seit Jahren ausschließlich Elektro- und Erdgaslieferwagen zur Lieferung von täglich 10.000 Brötchen, 3.000 Brote und andere Leckereien von der Backstube in 18 Filialen. Weil es keine E-Autos in der Sprinterklasse gab, gründete er auf Facebook eine „E-Transporter Selbsthilfegruppe“.

Rund 70 Bäckereien und andere Interessenten wie SHK-Handwerker und Elektrotechnikbetriebe definierten ihren Wunsch-Elektrotransporter und holten Angebote bei 51 Kraftfahrzeugherstellern sowie Umbaufirmen ein. 15 Monate nach der Idee wurden Ende März 2018 die ersten Bakery Vehicle BV1 ausgeliefert, der erste Serien-Elektro-3,5-Tonner Europas war geboren.

Gute Möglichkeit: Flotten-Carsharing

Viele Kommunen setzen ebenfalls immer öfter auf Elektroautos in ihren Fuhrparks und bauen eigene Ladenetze, denn für den Einsatz in der Stadt und im Umkreis eignen sich Elektroautos ideal. Die Stadt Mannheim nutzt Elektromobile zum Beispiel zur Pflege von Parks und zum Müllsammeln. Stuttgart will insgesamt 45 E-Fahrzeuge anschaffen, Freiburg seinen Bestand von bisher sechs Elektroautos um 53 Fahrzeuge mit Elektroantrieb aufstocken und auch andere Kommunen wollen den Anteil von E-Autos in ihren Fuhrparks massiv erhöhen.

Andere Wege geht die Thüga-Gruppe mit etwa 100 Stadtwerken und Regionalversorgern. Die rund 19.300 Beschäftigten können das innovative Flotten-Carsharing des Hildesheimer Start-ups e2work nutzen, das eine simple Lösung für nachhaltige Fahrzeugnutzung gefunden hat: Unternehmen und Mitarbeiter teilen sich Elektroautos und alle sparen. Morgens fährt der Mitarbeiter mit dem Wagen wie mit seinem Privatfahrzeug zur Arbeit und stellt es auf dem Firmenparkplatz ab. Während der Arbeitszeit wird das Auto von Kollegen für Dienstfahrten genutzt, abends fährt der Mitarbeiter wieder damit nach Hause.

0,5-%-Regel: Halber Steuersatz für Elektro-Dienstwagen

Das CVO-Fuhrparkbarometer zeigt aber auch, dass die Attraktivität neuer Energien oder Technologien abhängig von der Unternehmensgröße ist: Je größer die Firma, umso eher wird auf neue Technologien gesetzt. Während drei Viertel der Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern bereits alternative Antriebe implementiert haben oder für die nächsten drei Jahre planen, sind es bei kleinen Unternehmen mit höchstens zehn Mitarbeitern nicht einmal ein Viertel.

„Nach der Halbierung des Listenpreises von 1 auf 0,5 Prozent bei der Versteuerung von Elektro-Dienstfahrzeugen ist die Option sicherlich finanziell nochmal interessanter geworden“, meint VMF-Vorstandsvorsitzender Marcus Schulz. „Wobei der Gesetzgeber hier zeitnah mit einer Halbierung der Entfernungskilometer-Versteuerung nachsetzen sollte.“

Checkliste: Analyse der Fahrstrecken

Eine Analyse der Fahrstrecken, die im Unternehmen anfallen, ist der erste Schritt in die E-Mobilität:

  • Wohin müssen die Mitarbeiter auf welchen Strecken zu welcher Zeit fahren?
  • Handelt es sich immer um die gleichen Strecken oder um unkalkulierbare Wege?
  • Muss Ware transportiert werden und welche?
  • Wann, wo und wie lange sind die Standzeiten der Fahrzeuge?
  • Welche Nutzergruppen mit ähnlichem Mobilitätsbedarf lassen sich zusammenfassen?
  • Welche Fahrzeuge brauchen die Mitarbeiter zur Erfüllung ihrer Aufgaben?

Für Fuhrparkmanager: Beratung und Angebote in Ihrer Region

Viele Stadtwerke bieten neben Wallboxes und Ladesäulen an sowie Komplettpakete von der Beratung bis zur Installation an – nicht nur für Privat- sondern ebenso für Gewerbekunden. Auch Fuhrparkmanager erhalten hier wertvolle Unterstützung.

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