Junge Frau auf Elektroroller

Elektroroller: Leise übers Land

Umweltfreundlich, leise und bezahlbar – Elektroroller sind das ideale Verkehrsmittel für Wege, die zu Fuß oder per Rad zu weit und fürs Auto zu kurz sind. Der Fahrspaß ist noch größer als bei herkömmlichen Modellen.

Fans wussten es schon lange, doch Anfang April 2017 bestätigte es auch ein Turiner Gericht: Die „Vespa“ des italienischen Herstellers Piaggio ist ein Kulturgut, ihr 71 Jahre altes Design urheberrechtlich geschützt. Grund für das Urteil war das Plagiat eines chinesischen Rollerherstellers, dessen Modelle dem italienischen Original zum Verwechseln ähnlich sehen. Doch bei allem Ärger über die Nachahmer, zukunftsfähige Roller mit Elektroantrieb zu entwickeln, hat die Kultfirma schlichtweg verschlafen.

China fährt elektrisch

Vielleicht richtet es die „Vespa Elettrica“, die laut Firmenankündigung noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Doch Angaben zu Preis, Reichweite, Motor- und Fahrleistung machen die Italiener jedoch immer noch nicht. Während in Deutschland bereits rund drei Millionen Elektrofahrräder über die Straßen rollen, wartet der große Bruder Elektroroller immer noch auf seine Entdeckung.

In China sind sie schon längst Alltag: Mehr als 20 Millionen Roller mit elektrischem Antrieb wurden dort allein im vergangenen Jahr verkauft. Firmen aus Fernost und auch aus Deutschland bieten jedoch schon seit Jahren E-Scooter oder Leichtkrafträder mit Elektroantrieb an, wie die Vehikel amtlich heißen. Bitte nicht verwechseln: Als E-Scooter werden auch Tretroller mit Elektroantrieb verkauft, die ab 200 Euro kosten und sich aber nur für die Innenstadt und Wege von wenigen Kilometern eignen.

Elektroroller: Weniger als ein Euro für 100 Kilometer

Große Elektroroller in stylischem Look oder Retro-Design, Lithium-Akkus und mehr Reichweite gibt es im Fachhandel ab 1.800 Euro zu kaufen. Egal ob fernöstlich, italienisch oder deutsch: Moderne Elektroroller lassen sich an jeder Steckdose laden. Stromkosten für 100 Kilometer: weniger als ein Euro. Alle versprechen das gleiche Fahrgefühl: Den Traum von Freiheit, aber preiswert im Betrieb, lautlos und umweltschonend. Und bei der Beschleunigung lässt der E-Roller an der Ampel jedes Auto stehen.

Hightech statt Abgase auf dem E-Roller

Die hier vorgestellten Elektrogefährte haben aber doch einiges gemeinsam. Alle Roller fahren bis zu 45 Stundenkilometer (km/h) schnell, die meisten sind auch in einer 25-km/h-Version erhältlich. Sie bieten verschiedene Fahrmodi wie etwa zum Anfahren, für Dauerfahrt oder einen Boost zum Überholen, manche auch einen Rückwärtsgang.

Um die Akkulaufzeit zu verlängern, sind Batteriemanagementsysteme und Techniken zur Energierückgewinnung eingebaut. Das heißt, bei jedem Bremsen wird Strom in den Akku zurückgespeist. Fahrer ab 16 Jahren benötigen den Führerschein AM, ab 18 Jahren genügt der Pkw-Führerschein. Weiter nötig sind ein Helm und das Versicherungskennzeichen nebst Versicherung.

Top-Modelle und Hersteller von Elektrorollern in der Übersicht

  • UNU: Der Unu schafft mit einer Ladung des transportablen Lithium-Ionen-Akkus 50 Kilometer Reichweite. Den Elektroroller aus Berlin gibt es in drei Motorvarianten mit 1.000, 2.000 oder 3.000 Watt. Für die Basisversion verlangt der Hersteller 1.849 Euro. Wer eine schnellere Beschleunigung haben und flotter am Berg sein möchte, wählt das Modell mit dem 3.000-Watt-Elektromotor für 2.849 Euro. Reichweite und Höchstgeschwindigkeit ändern sich durch die höhere Motorleistung nicht. Ein Zusatzakku lässt sich unter der Sitzbank verstauen und verdoppelt die Reichweite. Kosten: weitere 690 Euro. Ladezeit, wenn der Akku komplett leer ist: fünf Stunden. Link: www.unumotors.com
  • Kumpan: Der Kumpan aus dem rheinischen Remagen ist als Einsitzer 1953 (3.849 Euro) und Zweisitzer 1954L (3.999 Euro) erhältlich. Jedes der Modelle lässt sich mit bis zu zwei weiteren herausnehmbaren Lithium-Ionen-Zusatzakkus (je 999 Euro) für dann insgesamt 150 Kilometer Reichweite ausstatten. Der Boost-Modus bringt den Fahrer zum Überholen oder für Bergstrecken auf bis zu 2.500 Watt (2.800 Watt beim 1954L) Leistung. Für gleichbleibende Geschwindigkeit sorgt ein Tempomat. Die Ladezeit wird mit drei bis vier Stunden angegeben. Link: www.kumpan-electric.com
  • Innoscooter: Der Innoscooter wird im schwäbischen Vaihingen/Enz-Gündelbach hergestellt, ihn gibt es derzeit in drei Varianten. Die beiden Modelle Retro (2.799 Euro) und Retro L (4.399 Euro) unterscheiden sich im Akku für den jeweils 3.000 Watt starken Elektromotor: Dem Retro liefert eine fest verbaute Blei-Glasfaservlies-Batterie die Energie (Ladezeit: sieben Stunden), beim Retro L ist eine portable Lithium-Polymer-Batterie verbaut (Ladezeit: acht Stunden). Für den in Taiwan produzierten EM100L (5.890 Euro) spendet ein Lithium-Ionen-Akku den Strom für den 2.500-Watt-Motor. Link: www.innoscooter.de
  • Schwalbe: Die Schwalbe war einst ein in Suhl gebautes, unverwüstliches Kleinkraftrad. Als nostalgische E-Roller-Idee ist sie in München wieder auferstanden und wird im polnischen Breslau montiert. Das Basismodell mit einem fest installierten Lithium-Ionen-Akku mit 50 bis 60 Kilometer Reichweite kostet 5.390 Euro, ein zusätzlicher fester Akku 600 Euro. Dafür liefert der Motor bis zu 5.200 Watt Leistung. Mit dem integrierten fünf Meter langen Ladekabel sollte jede Steckdose erreichbar sein, die Ladezeit beträgt vier bis fünf Stunden. Ein optionales Antiblockiersystem (ABS) sorgt für noch kürzere Bremswege und mehr Sicherheit bei einer Vollbremsung. Link: www.myschwalbe.com
  • Govecs: Die Münchner Firma Govecs, die auch die Schwalbe produziert, bietet unter der Marke Go! in der S-Serie drei weitere E-Roller (S1.5, S2.5 und S2.6) mit unterschiedlichen Motorstärken und Reichweiten von 40 bis 90 Kilometer an. Je nach Modell sind die Lithium-Ionen-Akkus austauschbar oder fest eingebaut, deren Ladezeit beträgt je nach Akkugröße drei bis sechs Stunden. Die Preise reichen von 5.495 Euro über 5.650 Euro bis 7.695 Euro. Link: www.govecs.de
  • Trinity: Die Firma Trinity sitzt in Meinersen bei Hannover und bietet vier E-Roller an: den Venus 2.0, Uranus 3.0, Romex 3.0 und Neptun 4.0. Der Unterschied liegt in der Motorleistung (von 2.000 bis 4.000 Watt), in der Leistung der herausnehmbaren Lithium-Akkus und der Reichweite (laut Hersteller) von je minimal 44 bis 65 Kilometer. Die Preise reichen in der jeweiligen Grundausstattung von 2.449 Euro bis 3.699 Euro. Die Ladezeit beträgt acht Stunden, mit einem Schnellladegerät die Hälfte. Link: www.trinity-electric-vehicles.de
  • etropolis: Trendigen Fahrspaß im Retro-Look mit viel Chrom bietet der Retro Lithium der Firma etropolis mit Sitz in Stuhr bei Bremen. Das Modell mit herausnehmbarem Lithium-Ionen-Akku und 2.000 Watt-Motor war lange der meistverkaufte E-Scooter in Italien. Als Reichweite wird bis zu 80 Kilometer angegeben, die Ladezeit beträgt sechs bis acht Stunden. In der Basisversion ist der Nostalgieroller ab 3.495 Euro erhältlich. Link: www.e-tropolis.de
  • emco: Das Unternehmen emco aus dem niedersächsischen Lingen bietet drei alltagstaugliche Roller von 1.500 bis 2.000 Watt Leistung mit herausnehmbaren Lithium-Ionen-Akkus in den Produktlinien Classic und Retro. Den Novi C gibt es bereits ab 3.499 Euro, den Novantic C 2000 ab 3.649 Euro und den Retro-Roller Nova R 2000 ab 3.799 Euro. Der Akku verspricht bis zu 65 Kilometer Reichweite, die mit einer zweiten Batterie verdoppelt werden kann. Mit einem Schnellladegerät ist der Akku in zwei Stunden voll. Gegen Aufpreis ist ein Controller mit Bedienung über Smartphone per App erhältlich. Er zeigt genaue Statistiken zur gefahrenen Strecke und Berechnungen zur verfügbaren Restreichweite. Link: www.emco-elektroroller.de
(alle Angaben zu den Modellen sind Herstellerangaben)
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