Erste Elektroautos, jamais contente

Das erste Elektroauto: Der Anfang war elektrisch

Vor mehr als hundert Jahren liefen die ersten Autos bereits mit Strom. War unser Benzinzeitalter nur ein Umweg? Eine kleine drei- bis vierrädrige Kulturgeschichte – von unserem Autor Boris Alexander Glawatsch.

Langsam fährt das Auto aus der Parklücke zwischen Zuckerstreuer und Espressotasse. Der kleine Junge am Nachbartisch ist hochkonzentriert. „Brumm, brumm“ – selbstverständlich hat sein roter Flitzer einen Verbrennungsmotor. Und spätestens als er auf dem Weg zur Blumenvase mit einem ziehenden „Ääääää-ääää“ in den zweiten Gang schaltet, die große Schwester mit den Augen rollt, wird einem klar: Elektromobilität hat Vorteile. Schade, dass sie sich damals vor über hundert Jahren nicht durchgesetzt hatte. Es würde jetzt nicht nur auf den Straßen säuseln, sondern auch an Nachbartischen.

E-Autos: So neu ist das gar nicht

Aber Moment mal, denkt da vielleicht so mancher: Wieso durchgesetzt? Ist die Elektromobilität nicht erst eine ziemlich neue Erscheinung? Und sind die Autos nicht von Anfang an mit Benzin gelaufen? Oh nein! Denn eines ist gewiss: Elektrisch angetriebene Gefährte waren vor dem berühmten dreirädrigen, mit Benzin betriebenen Benz-Motorwagen von 1886 auf der Straße. Will man aber wissen, was nun das erste Elektroauto war, tja, dann wird’s etwas nebulös. Anscheinend streiten sich da die Gelehrten.

Erstes Elektroauto: "Trouve Tricycle"

Für viele das erste Elektroauto: Das von Gustave Trouvé 1881 gebaute „Trouvé Tricycle“

Erstes Elektroauto: 1839 oder 1881?

Verbürgt ist wohl, dass 1881 der Franzose Gustave Trouvé ein dreirädriges, elektrisch angetriebenes Fahrzeug mit dem Namen „Trouvé Tricycle“ vorstellte. Angetrieben wurde es von zwei Motoren, zog seine Energie aus sechs Bleiakkumulatoren und brachte es auf zwölf Stundenkilometer. Für die meisten gilt es als weltweit erstes Elektroauto. Andere sehen in dem Schotten Robert Anderson den Erfinder des ersten Elektrofahrzeugs. Angeblich hatte er dieses bereits zwischen 1832 und 1839 in Aberdeen gebaut. In Deutschland gilt der 1888 gefertigte Flocken Elektrowagen als das erste bekanntgewordene Elektroauto, das in Deutschland hergestellt wurde. Immerhin besaß es vier Räder und könnte damit sogar das erste vierrädrige Elektroauto der Welt gewesen sein. Aber die Betonung liegt auf „könnte“, denn ganz genau wissen es die Experten nicht.

Um 1900: mehr E-Autos als Benziner

Wie dem nun aber auch sei: Die Vorteile des Elektromotors waren gegenüber mit Dampf oder Benzin betriebenen Fahrzeugen damals dieselben wie heute. Einfach im Umgang, sauber und leise. Und auch wenn der Nachteil, die begrenzte Batteriereichweite, recht bekannt für unsere Ohren klingt, feierte die elegante Art elektrischen Fahrens schnell ihre Erfolge: Im Jahr 1900 gab es in den USA neben 1.688 Dampfautomobilen bereits 1.575 Elektrofahrzeuge, aber nur 929 Fahrzeuge mit Benzinmotor. Zudem fuhren fast alle New Yorker Taxis damals elektrisch.

La Jamais Contente

Das erste Straßenfahrzeug, dass die 100-km/h-Grenze knackte: „La Jamais Contente“ von Camille Jenatzy im Jahr 1899

Rekorde und Porsches erster Sieg

Das Vertrauen in die Kraft des Stroms wuchs auch durch sportliche Heldentaten. Das erste Straßenfahrzeug, das nämlich die 100 Stundenkilometer-Grenze durchbrach, war: genau – ein Elektroauto. 1899, am 29. April, sauste der belgische Ingenieur und Rennfahrer Camille Jenatzy mit seinem selbst konstruierten Fahrzeug, die „La Jamais Contente“ (die nie Zufriedene), zu diesem Rekord, der gut drei Jahre Bestand hatte. Er erreichte eine Geschwindigkeit von 105,882 Stundenkilometer. Es war eine Zeit der wagenden Pioniere und genialen Erfinder. Einer von ihnen: Ferdinand Porsche. Sein allererstes jemals gebautes Auto war ein – wieder richtig: Elektrowagen. Der Egger-Lohner C.2 rollte Ende Juni 1898 über Wiener Straßen und gewann drei Monate später, im September, in Berlin bei der „Internationalen Motorwagen-Ausstellung“ eine Wettfahrt für Elektromobile. In gewisser Weise war das Porsches erster Sieg in einem Rennen.

Porsche und das erste Hybridauto

Und ein Erfinder wäre nicht ein Erfinder, begnügte er sich mit Gegebenheiten, in diesem Fall der geringeren Reichweite von Elektrofahrzeugen. Porsches Antwort: Na dann kombinieren wir halt den Elektro- mit dem Verbrennungsmotor. Er baute dabei in den Lohner-Porsche mit Radnabenmotoren, der 1900 auf der Pariser Weltausstellung zu bestaunen war, noch einen Benzinmotor ein. Zwei Jahre später ging dieser Lohner-Porsche-Mixte in den Serienbau. Und so erfand Porsche den Hybridantrieb. Aber nicht allein: Manchmal liegt eine Erfindung einfach in der Luft. In den USA waren es die Armstrong Manufacturing Company, in Spanien das Unternehmen La Cuadra und in Belgien der Hersteller Établissements Pieper aus Liège, die ungefähr zur selben Zeit ebenso auf die Kraft von zwei Antrieben setzten.

Erste E-Autos – Beruhigung für wohlhabende Ehemänner

Bis in die Zehnerjahre des 20. Jahrhunderts war das Automobil eine Angelegenheit für reiche Gesellschaftsschichten. Selbst im Massenmarkt der USA war man noch weit entfernt, Wagen fürs Volk herzustellen. Und in gewisser Weise war es da auch egal, dass Elektrofahrzeuge zu den teuren Automobilen gehörten. Vermögende Ehemänner, so heißt es, fanden die Elektroautos für ihre Ehefrauen auch deshalb so passend, da sie diese selbst fahren konnten. Für Benzinautos brauchte es junge, kräftige Chauffeure, die den Motor mit der Kurbel anwerfen konnten. Kein beruhigender Gedanke für wohlhabende Ehemänner. Die Elektroautos lagen also durchaus gut im Rennen. Und es war überhaupt nicht ausgemacht, was sich durchsetzen würde, Strom oder Benzin. Die Detroit Electric Car Company baute in den Zehnerjahren tausend bis zweitausend Elektroautos jährlich. Eine berühmte Fahrerin war die Comicfigur Dorette Duck, die Großmutter in den Donald Duck Comics.

Video: Ein Detroit Electric Car von 1918 braucht neue Batterien

Massenmarkt und Ironie der Geschichte

Doch schließlich kam alles anders: Immer mehr Ölquellen sprudelten, Tankstellennetze entstanden, Benzin musste nicht mehr bei Apothekern gekauft werden, Verbrennungsmotoren wurden standfester und Ford revolutionierte den Automobilbau. Sein T-Modell entstand ab 1914 auf dem Fließband und kostete dadurch nur noch 370 Dollar, während für ein Elektrofahrzeug von der Detroit Electric Car Company gute 2500 Dollar zu bezahlen waren. Der Massenmarkt begann. Und er begann mit Benzin. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet ein Elektromotor drängte die Elektromobilität endgültig in die Nische. Denn 1911 entwickelte Charles Kettering den elektrischen Anlasser. Und damit hatte die Kurbelei des Motoranwerfens ein Ende.

E-Autos: Zurück in die Zukunft

NASA Lunar Roving Vehicle

Auch in der Nische fiel die E-Mobilität mit besonderer Leistung auf: Das Lunar Roving Vehicle

Bis in unsere Tage, als 2008 das amerikanische Unternehmen Tesla mit seinem elektrisch betriebenen Roadster und den danach folgenden Modellen die etablierten Hersteller weltweit wachrüttelte, führte die reine Elektromobilität ein Nischendasein. Es gab von verschiedenen Herstellern ab und an reine E-Autos in geringen Stückzahlen. Ein ernstzunehmendes Engagement war das jedoch nicht. Wie leistungsfähig die Elektromobilität war, zeigte sich allerdings immer wieder: Das erste Auto auf dem Mond, das Lunar Roving Vehicle, fuhr 1971 elektrisch über den Erdtrabanten. Wenn heute die Elektromobilität nun ihre Renaissance erlebt, knüpfen ihre Befürworter an eine lange Geschichte an. Und mit moderner Technik werden die Elektroautos endgültig aus der Nische ins Zentrum der Aufmerksamkeit rollen.

Den Jungen am Nebentisch kann ich wenigstens überzeugen: Nachdem ich ihm sage, dass er ja ein tolles rotes Elektroauto fahre, höre ich beim Verlassen des Cafés nur noch ein: SSSSSSSSS …

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