Wer nachhaltig bauen will, muss die Elektromobilität einbeziehen

Interview: E-Auto beim Hausbau einplanen

Hausarchitektur und Energie hängen eng zusammen. Für Alexander Maier, Architekt und Energiepionier in Mainz, steht außer Frage: Wer nachhaltig bauen will, muss die Mobilität der Zukunft einbeziehen. Warum eine Wallbox dazugehört, erklärt er im Interview.

Wenn ich ein Grundstück habe und bauen möchte: Welche Unterstützung erhalte ich von meinem Architekten? Was sind wesentliche Punkte, worüber muss ich mir klarwerden?

An erster Stelle steht die Bedarfsanalyse: Welche Bedürfnisse soll Ihr Heim erfüllen? Für wie viele Personen wird gebaut, gehören beispielsweise auch beruflich genutzte Räume oder eine Einliegerwohnung dazu?

Wer sein Haus zwei, drei Jahrzehnte oder länger bewohnen will, muss sich mit seinem zukünftigen Bedarf auseinandersetzen. Wo sieht er sich im Jahr 2048, wie nachhaltig kann und will er bauen? Im Gespräch mit dem Bauherrn versuchen wir ihn zu sensibilisieren – natürlich mit Blick auf sein Budget, das vielleicht einiges, aber selten alles ermöglicht.

Wenn wir uns dem energetischen Konzept annähern: Wie entwickelt man heute einen Plan, der sich mit Blick auf die Elektromobilität in den kommenden Jahrzehnten bewährt?

Lage, Grundriss und Dach, Material und Technik, solche Faktoren beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb ist es wichtig, eine Wallbox fürs Elektromobil nicht als isoliertes Element zu planen. Sie muss in das energetische Konzept integriert werden. Konkret: Wer eine Wallbox plant, entscheidet auch, wie weit er in eine dezentrale Stromproduktion einsteigen will. Damit ändert sich der Denkansatz. Man überlegt: Wie viel Strom werde ich künftig verbrauchen, wie viel davon will ich selbst erzeugen, und wie speichere ich meine Produktion?

Was spricht dafür, die Wallbox mit einer Photovoltaikanlage zu koppeln, also die häusliche Energieversorgung mit einem Stück Autarkie zu verbinden?

Oft gibt es zunächst äußere Gründe: Bauherren haben von einem Förderprogramm gehört, oder wir weisen darauf hin. Die Förderprograme der KfW haben einen erheblichen Einfluss auf die Standards beim Bauen.
Es gibt eine Fülle von Förderprogrammen, die infrage kommen: vom Netzbetreiber, vom lokalen Stromversorger, EU-Gelder, die der Kommune oder dem Landkreis über einen Klimaschutzplan zufließen. All diese Fördertöpfe, speziell die regionalen, muss man abfragen. Und der Bauherr muss eine Förderung beantragen, bevor er seine Maßnahme beginnt.

Im Kern jedoch heißt das entscheidende Argument dafür: Je energiesparender man baut, umso attraktiver und selbstverständlicher wird es, seinen Strombedarf zumindest teilweise mit erneuerbaren Energieträgern zu decken.

Geben Sie für eine Wallbox konkrete bauliche Empfehlungen, was muss man beim Einbau beachten?

Zwei Aspekte sind meines Erachtens zentral. Zum einen Technik und Sicherheit: Wir haben gute Erfahrungen mit mehreren Ladesystemen gemacht. Sie sind standardisiert und sicher, der Einbau durch den Elektriker ist problemlos. Zum anderen der Bedarf: Eine Schnellladung ist in den seltensten Fällen notwendig, also für einen privaten Bauherren nicht zwingend.

Beachten sollte man, dass viele Elektroautos, gerade deutsche Modelle, serienmäßig nur einen langsamen einphasigen Bordlader mitbringen. Ein Kia oder Nissan, der 3-phasig lädt, bereitet da schon wesentlich mehr Freude.

Das Handling im Alltag ist denkbar einfach: Die Wallbox wird so programmiert, dass sie Ihren ID-Chip am Schlüsselanhänger erkennt, Sie identifiziert und den Ladevorgang steuert. Übrigens kann auch der Plugsurfing-Chip gleichzeitig Zugang zur heimischen Wallbox gewähren.

Zum Schutz gegen Vandalismus sollte man eine Wallbox an einem zugänglichen Carport anders als in der Garage ohne Kabel und Stecker realisieren.

Was ist beim Kraft- oder Drehstrom mit 400 Volt zu beachten?

Wenn ein Anschluss vorhanden ist, dann ist auch der Einbau einer entsprechenden Wallbox kein Problem. Wir empfehlen einen Ausbau bis 22 Kilowatt, das entspricht 32 Ampere. So lädt man bis zu zehnmal schneller als an einer normalen Schuko-Steckdose. Eine Wallbox ist wie jeder Elektroherd in der Hausinstallation abgesichert, die fertig konfektionierten Modelle sind durchgängig leicht zu installieren. Übrigens schützt der Fehlerstrom-Schalter für die Wallbox gleichzeitig den Gleichstrom-Lader im Auto. Eine gute Sache.

Wie passt das zum jeweiligen Eigenbedarf?

Ich rate Bauherren regelmäßig: Schnellladen geht auch unterwegs, an der Autobahn, mit 150 kW oder mehr. Zu Hause reichen 22 kW meist aus.

Eine Faustformel: Mit 22 kW lädt man pro Stunde etwa 110 Kilometer Reichweite, bei 11 kW sind es etwa 55 km. Meinen Tesla mit seiner leistungsstarken 85-kW-Batterie kann ich beispielsweise in vier Stunden auf volle Reichweite aufladen.

Was kostet das Ganze?

Eine gute Wallbox kostet weniger als 1.000 Euro, inklusive Installation circa 1.500 Euro. Dieser Betrag amortisiert sich über die ersparten Benzinkosten, mit Solarstrom vom eigenen Hausdach besonders rasch.

Wie kombiniert man PV-Anlage und Solarspeicher sinnvoll?

Die empfohlene Anlagengröße und -leistung in Kilowatt peak (kWp) errechnet ein Solarteur anhand von Dachfläche und Strombedarf. Im Sommer ist Photovoltaik sehr attraktiv, nur die Monate von November bis Februar bieten leider wenig Sonne. Die Tendenz am Markt geht deshalb stark zu Systemen mit Solarspeicher. Für mich ist das, zumal in Verbindung mit Elektromobilität, heute geradezu ein Muss.

Denn nicht die reine Produktionskapazität, sondern der Eigenverbrauchsanteil hat den größten Einfluss darauf, wie schnell sich eine Anlage amortisiert. Je höher, umso besser, weil man einige Umlagen und vor allem Netzentgelte vermeidet. Was man selbst einspeist, wird nach wie vor, allerdings niedrig, vergütet.

Das Elektroauto erhöht den Stromverbrauch, beispielsweise um 1.500 Kilowattstunden, wenn das Fahrzeug 15 Kilowattstunden auf 100 Kilometern verbraucht und pro Jahr 10.000 Kilometer fährt. Gleichzeitig steigt der Eigenverbrauch, weil man immer dann lädt, wenn genügend selbst produzierter Strom da ist. Die Speicherlösung sollte man so wählen, dass ein Akku auf jede Phase kommt, man beim Laden also bequem 12 bis 15 kW Leistung erreicht.

Jetzt habe ich als Bauherr kein Geld mehr für die Einbauküche? Die Kostenfrage stellt sich andersherum: Mit dem gesparten Geld fürs Benzin finanzieren Sie nach ein paar Jahren die schöne neue Küche!

Stichwort „Häuser als Kraftwerke“: Verändert es das Planen und Bauen, wenn man teilweise autark wird und selbst produzierten Strom ins häusliche Netz einspeist?

Ja, und stärker, als man das bisher überhaupt wahrnimmt. Denn es greifen hier alle Aspekte ineinander: Energieautarkie auf Basis erneuerbarer Energieträger, die unser Klima schonen, Elektromobilität auf Basis lastganggesteuerter und Cloud-basierter Lösungen, welche die Digitalisierung des gesamten Energiesystems vorantreiben. Last but not least auf das „smarte Heim“, in dem alle Energiesysteme miteinander auf intelligente Weise kommunizieren.

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