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„Die E-Mobilität ist nicht zu stoppen!“

Dieselgate und Abgasskandal bestimmen die Schlagzeilen. Was ist nun mit der Mobilitätswende – kommt sie oder kommt sie nicht? Ein Interview mit Zukunftsforscher Lars Thomsen.

Im Moment sieht es ja so aus, als käme die E-Mobilität endlich in Schwung. Überall, wo über Diesel gesprochen wird, geht es auch um E-Mobilität.

Lars Thomsen: Die E-Mobilität ist ja schon länger ein Thema. Aber wie so oft, wartet die Mehrzahl der Konsumenten erst einmal die erste Generation von neuer Technologie ab, bevor sie kaufen. Andererseits wundere ich mich schon, warum noch so wenige Menschen E-Autos fahren, obwohl der Klimawandel für viele ein so großes Thema ist. Wäre es da nicht folgerichtig – insbesondere dann, wenn man Kinder hat –, statt in ein SUV mit Verbrenner in ein sauberes E-Mobil zu steigen? Insgesamt sind wir bei future matters aber sicher: Der Elektroantrieb ist nicht aufzuhalten und wird sich relativ rasch für fast jede Form der Mobilität durchsetzen.

Und Diesel und Benzin bleiben auf der Strecke?

Lars Thomsen: Der Diesel-Skandal hat innerhalb einer kurzen Zeit für einen immensen Vertrauensverlust gesorgt. Diesel ist, wenn Sie so wollen, bei den Kunden verbrannt und wird nicht mehr mit „Antrieb der Zukunft“ in Verbindung gebracht. Dazu kommen die drohenden Fahrverbote. Einen Markt für Autos mit Dieselmotoren gibt es überwiegend nur noch in Europa. Nun müssen für diesen Markt noch komplexerer Abgasreinigungssysteme entwickelt werden – dafür wird die Gesetzgebung sorgen. Dadurch werden die Autos sogar noch teurer – und die elektrischen Antriebe werden günstiger und besser.

Warum geht auf einmal alles so schnell?

Lars Thomsen: Die zweite Generation von Elektrofahrzeugen steht in den Startlöchern. Alles wird deutlich besser: die Technik, die Reichweite, die Auswahl und auch die Ladeinfrastruktur. Nur ein Beispiel für diese Dynamik: Der Renault Zoe von 2014 hatte gut 150 km Reichweite und kostete etwa 22.000 Euro. Heute kostet er noch genauso viel – mit dem Unterschied, dass der Wagen jetzt doppelt so weit kommt. Die Batteriekapazität verdoppelte sich also in einem Zeitraum von nur drei Jahren. Wenn das so weiter geht, werden es dann in drei Jahren also rund 600 km Reichweite sein. Das sollte reichen, um das Argument der Zweifler, E-Autos kämen nicht weit, endgültig ad acta zu legen!

Das hat doch sicher auch Einfluss die Preise von E-Mobilen, oder?

Lars Thomsen: Selbstverständlich. Die Batteriepreise fallen schnell: In einem Zeitraum von drei Jahren sinken sie derzeit um rund 50 Prozent. Wir steuern mit großen Schritten auf einen Tipping Point zu: Das ist der Punkt, an dem E-Mobile genauso teuer oder sogar billiger sind als Autos mit Verbrennungsmotoren. Verbrenner werden ab diesem Punkt recht „alt“ aussehen.

Haben die deutschen Autobauer die E-Mobilität verschlafen?

Lars Thomsen: Ja, denn sie haben viel zu lange an einer Technologie festgehalten, die ungefähr 130 Jahre alt ist. Man muss sich mal vor Augen halten, dass Verbrennungsmotoren bei der Umsetzung der fossilen Energie in erster Linie Wärme erzeugen und erst zweitrangig Kraft. Betrachtet man die gesamte Energiekette, dann liegt der Wirkungsgrad eines Autos im Alltagsbetrieb bei gerade mal 15 bis 20 Prozent. Das heißt: 85 Prozent der kostbaren, endlichen und klimaschädlichen Energie aus fossilen Brennstoffen werden ungenutzt verschwendet. Und dies in einer Zeit, die vom Kampf gegen den Klimawandel bestimmt ist! Unsere Kinder werden uns später fragen, wie wir damals nur so dumm sein konnten!

Und was tun die Autokonzerne nun?

Lars Thomsen: Sagen wir es mal so: Man merkt, dass zahlreiche Autohersteller jetzt richtig Angst bekommen. Sie wissen, dass sie viel früher und wagemutiger in den neuen Markt hätten einsteigen müssen. Stattdessen waren viele bei der E-Mobilität nur halbherzig: mit Feigenblatt-Autos fürs gute Gewissen – und nicht mit Fahrzeugen, die als Erst- und Zweitwagen taugen.

Ist das der Grund für so eine kleine Auswahl an E-Mobilen?

Lars Thomsen: Die Nachfrage nach sauberen Stromern steigt, aber es gibt gerade ein halbes Duzend vernünftige Modelle zur Auswahl – neben mehr als 300 mit Verbrennungsmotor! Noch gibt es leider keinen echten Familien-Kombi, keinen Pick-up und keinen Mittelklassewagen als echtes Elektroauto zu kaufen. Aber allein im Jahr 2018 kommen 22 neue Modelle auf den Markt. Um allerdings ein vollelektrisches Volumenmodell anbieten zu können, braucht es einige Jahre Vorlauf. Und dann stellt sich natürlich die Frage, wo kommen die Batterien für all die Autos her?

Also hat Tesla viel richtig gemacht?

Lars Thomsen: Tesla hat den Markt für Elektrofahrzeuge entscheidend beeinflusst und treibt nun teilweise die etablierten Hersteller vor sich her. Sie sind mit ihren Fahrzeugen bereits Marktführer in den USA und West-Europa im Segment der Oberklasse-Limousinen und bekommen derzeit pro Tag mehr Bestellungen für das kommende Mittelklasse-Modell (Model 3) als die deutschen Mitbewerber mit ihren Modellen in diesem Segment heute weltweit verkaufen.

Sie fahren ja selbst Tesla.

Lars Thomsen: Ja und das sehr gerne! Meine ersten beiden Fahrzeuge hatten zwar noch ein paar kleine Mängel. Aber mein jetziger mit 80.000 km war bislang nur zweimal in der Werkstatt: zum Reifenwechseln.

Sie sind viel unterwegs. Reichen denn die Supercharger von Tesla?

Lars Thomsen: Absolut: Man kommt mittlerweile an jeden Punkt in Europa ohne Nachdenken zu müssen. Vor ein paar Monaten hat ein Tesla-Fahrer mal probiert, wie weit man in 24 Stunden unter Nutzung von Superchargern kommen kann, und er hat es auf 2424 Kilometer gebracht – einschließlich der Ladestopps. Das reicht für den Alltag allemal. Und wenn ich auf längeren Fahrten mal zum Laden an einem Supercharger anhalte, kommen Leute auf mich zu und fragen mich nach dem Auto. Während ich die Details erkläre merke ich, dass ich hier gerade das Marketing für Tesla mache. Ganz schön clever: Die Investition in die rund .60 Supercharger in Deutschland waren auch nicht teurer als viele Hersteller für eine Werbekampagne für ein neues Auto ausgeben. Aber es ist so viel nachhaltiger – in jeder Hinsicht.

Wie können die Energieversorger von der E-Mobilität profitieren?

Lars Thomsen: Sie liefern den „Saft“ für die neue Mobilität! Er wird vornehmlich im eigenen Land und immer stärker nachhaltig produziert. Und wir reden von einem nicht zu unterschätzenden Marktpotenzial. Pro Tag werden in Deutschland 121 Millionen Liter Diesel verbrannt: Wenn die Energieversorger auch nur 10 Prozent dieses Umsatzes zukünftig mit sauberen Strom übernehmen könnten, dann reden wir von einem gewaltigen Potenzial. Insbesondere weil zukünftig die Speicherkapazität der E-Flotte zum Teil auch als gigantischer Speicher genutzt werden kann.

Ist noch mehr drin, als nur regenerativen Strom zu verkaufen?

Lars Thomsen: Die Versorger müssen an die Zukunft und in anderen Dimensionen denken. Nicht mehr nur an einzelne Zapfstellen, sondern ganze Parkhäuser am Stadtrand – voller Ladestationen, an denen autonome Flotten aufgeladen werden können. Die nächste Generation von Carsharing-Fahrzeugen kommt ja auf Knopfdruck zum Nutzer und kümmert sich um das Parken und Laden selber. Innerhalb der kommenden zehn Jahre sollte das ganz normal in den Städten sein.
Anderes Beispiel: Elektro-Busse. Ein solcher Bus verbraucht so viel Strom wie rund 50 Privathaushalte – allein in München sind über 300 Busse im Einsatz. Wenn diese nun von Diesel auf Elektro umgestellt werden, dann wären das weit über 10.000 neue Kunden auf einen Schlag…!

Unsere Frage zum Schluss: Was passiert sonst noch so in den nächsten Jahren?

Lars Thomsen: Trends sehen wir nie monothematisch. Zur E-Mobilität kommt das autonome Fahren hinzu. Während Sie beim Zahnarzt sitzen oder im Kino, fährt das Auto allein zum Aufladen ins angesprochene Parkhaus und holt sie danach wieder ab. Und auch das Reisen wird durch selbstfahrende Autos viel angenehmer und nicht mehr so verkrampft wie früher.

In den Städten wird bald kaum mehr jemand ein eigenes Auto besitzen wollen: zu teuer in Anschaffung und im Betrieb, man findet keinen Parkplatz – alles schlecht. Mobilität wird – genauso wie heute bereits die Musik – auf Knopfdruck zu haben sein.

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