Reifen fürs Elektroauto müssen besondere Voraussetzungen erfüllen

Reifen fürs Elektroauto: Es geht voran!

An die Reifen von Elektroautos werden spezielle Anforderungen gestellt. Sie sollen tun, was jeder Reifen tun muss, gleichzeitig aber die schweren Batterien des Elektroautos tragen und leises Dahingleiten ermöglichen. Viel Arbeit für Entwickler, die nicht das Rad neu erfinden wollen, sondern intelligente Reifen dafür.

Keine Frage: Bei der Beschleunigung lässt jedes elektrisch angetriebene Alltagsauto sogar Sportwagen locker an der Ampel stehen. Von der höchstmöglichen negativen Beschleunigung aber, also Vollbremsungen oder enormen Verzögerung, machen Elektroautos dagegen fast nie Gebrauch. Denn sobald sein Fahrer vom Gas geht und die Bremse betätigt, verwandelt sich der Elektromotor in einen Generator. Er „rekuperiert“, das heißt, er gewinnt Bewegungsenergie zurück und lädt damit den Akku des E-Autos.

Hoch und schmal – Leichtlaufreifen gewinnen

Ein Test auf dem Testgelände des Reifenherstellers Goodyear im französischen Mireval bestätigte Bekanntes: weniger Rollwiderstand bringt mehr Reichweite.

Der TÜV Süd errechnete bei einem Test mit einem Opel Ampera-e 34 Kilometer mehr Reichweite für einen für Elektroautos optimierten Reifen gegenüber herkömmlichen Allwetterreifen. Typischerweise sind Reifen für Elektroautos schmal und hoch, um einen möglichst geringen Rollwiderstand zu bieten. Unterschiede bis zu 15 Prozent sind möglich. „Beim Reifenkauf für den Stromer sollten keine Kompromisse gemacht werden“, weiß TÜV-Experte Thomas Salzinger. Denn die Mehrkosten für die Bereifung amortisieren sich dank höherer Reichweite.

Spezialreifen für Elektroautos

„Die Herausforderung besteht darin, gute Verschleißeigenschaften, Laufleistung und Profilstabilität zu gewährleisten, trotz der Belastung durch die stärkeren Brems- und Beschleunigungskräfte eines Elektrofahrzeugs“, fasst Martin Winkler von Hankook, einem der weltgrößten Reifenhersteller, die Aufgaben der Entwickler zusammen. Und ganz ohne Kompromisse geht das bislang nicht.

  • Die Lebensdauer von Reifen für Elektroautos ist deutlich kürzer, weil sie beim Beschleunigen das enorme Drehmoment verkraften müssen. Herkömmliche Reifen halten auf E-Autos nur 25.000 statt 40. bis 50.000 Kilometer. Alle Reifenhersteller entwickeln für den Zukunftsmarkt Elektromobilität spezielle Typen, die neben wenig Rollwiderstand ein Optimum an Effizienz, Leistung, Komfort und Lebensdauer vereinen.
  • Auch Tragkraft, Auflagefläche, Profil und Reifendruck sind wichtig: Letzterer darf durchaus etwa 0,2 bis 0,3 bar über der Empfehlung des Herstellers liegen, die oft nur den Mindestdruck angibt. Ein Profil mit weniger Negativanteil besitzt auf rauem Untergrund etwas weniger Griffigkeit, läuft aber besser auf glattem Asphalt. Bei einem neu entwickelten E-Reifen von Goodyear helfen Lamellen auf der Lauffläche das hohe Drehmoment verschleißarm umzusetzen. Dazu soll der Reifen leise sein, was aber auch stark von der Fahrbahnoberfläche abhängt.
  • Darüber hinaus muss die Spur exakt eingestellt sein; ein ungleich abgefahrenes Profil oder eine Unwucht machen es ratsam, die Reifen zu wechseln. Das Profil sollte nicht weniger als 1,6 Millimeter betragen, bei weniger als 2 Millimeter Profiltiefe verringert sich der Grip auf nasser Fahrbahn erheblich.

Nichts geht über Sicherheit

Die Physik sagt: Weniger Rollwiderstand bedeutet weniger Abrieb, weniger Auflagefläche bedeutet weniger Verbrauch – das gilt bei Elektroauto genauso wie bei Gefährten mit Verbrennungsmotor. Doch das alles darf nicht zu Lasten der Bremswirkung gehen und die Sicherheit nicht hinter der Ökonomie zurückstehen: Wer schnell beschleunigen kann, muss auch wirkungsvoll bremsen können!

Ein Vorteil kommt Elektroautos von Haus aus zugute: Sie fahren in aller Regel nicht so schnell wie „Verbrenner“, das spart Strom, fördert einen gleichmäßig fließenden Verkehr und hilft Unfälle zu vermeiden.

Elektrisch und autonom fahren

Die Reifenhersteller erfinden das Rad nicht neu. Doch das Elektroauto und erst recht autonome Fahrzeuge eröffnen neue Perspektiven. Und auch die Reifen werden zunehmend intelligenter: Sensoren melden zum Beispiel den Reifendruck oder Feuchtigkeit und Wetterbedingungen ans Fahrzeugsystem, um bei autonomen Fahrzeugen die Geschwindigkeit und andere Parameter für eine angepasste Fahrweise zu optimieren.

Ein solcher Reifen kann „proaktiv“ reagieren: Ist eine Wartung fällig, sagt er der Werkstatt oder dem Manager der Fahrzeugflotte Bescheid. Ein Fahrzeug in der Cloud denkt außerdem an seine „Leidensgenossen“ und warnt in einem intelligenten Verbund vor Risiken und Gefahren.

Das Rad neu erfinden?

Vielleicht wird das Rad aber doch neu erfunden: Der Autozulieferer Continental arbeitet an einer Kombination von Rad, Reifen und Bremse – leichter als alles, was bisher auf den Straßen rollt und optimiert für Elektromobile. Der südkoreanische Reifenproduzent Hankook kooperiert für den intelligenten Reifen der Zukunft mit internationalen Chipherstellern.

3 Tipps für den E-Alltag: Darauf sollten Sie achten

  1. Auch das Elektroauto belohnt eine vorausschauende Fahrweise. Das schont Reifen und Motor – und spart Aufenthalte an der Ladesäule.
  2. Die Effizienz eines hochwertigen Reifens macht sich dank eines niedrigeren Stromverbrauchs mit der Zeit bezahlt. Billigreifen können ins Geld gehen.
  3. Ein Reifen, der speziell für Elektroautos entwickelt wurde, verbindet Abrollkomfort optimal mit geräuscharmer Fahrweise. Kauf und Montage entsprechen umweltbewusstem und nachhaltigem Fahren besser als herkömmliche Reifen für Autos mit Verbrennungsmotor.
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