Solar-Auto Sion vom Münchner Unternehmen Sono Motors

Der Sion: Ein Solar-Auto für alle

Elektromobilität und erneuerbare Energien, das passt zusammen – und doch fahren die meisten Elektroautos mit konventionellem Strom. Sono Motors, ein Start-up aus München, möchte das ändern und hat den Sion entwickelt: Das erste Solar-Auto in Serienproduktion – zu einem unschlagbaren Preis.

Nachhaltig unterwegs und unabhängig vom Erdöl sein, die Umwelt schützen – so muss nach Ansicht der jungen Münchener Laurin Hahn und Jona Christians die Zukunft der Mobilität aussehen. In der Realität ist davon wenig zu spüren: Über 61 Prozent der weltweiten Erdölvorkommen werden für den Transport verbraucht, jedes Jahr werden so 128 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Die Zeit, meinen die beiden Visionäre, ist reif für nachhaltige Mobilität, das Ende der Verbrennungsmotoren eingeläutet.

Alles beginnt in einer Garage

Anfang 2012 fassen die beiden den Entschluss, ein innovatives Elektroauto zu bauen, das all das in sich vereint. Noch dazu soll das Gefährt alltagstauglich sein und vor allem erschwinglich. Und auch wenn das ein bisschen so wie die Quadratur des Kreises klingt, lassen sich Jona und Laurin nicht von ihrer Idee abbringen. Wenig später fangen die beiden an, ihren ehrgeizigen Plan in die Tat umzusetzen. In Jonas Garage bauen sie einen ersten Prototyp, mit dem sie zeigen wollen, dass sich ein  Elektroauto mit integrierten Solarzellen bauen lässt.

Die Vision wird Wirklichkeit

Zusammen mit Navina Pernsteiner gründen Hahn und Christians dann Anfang 2016 das Start-up Sono Motors. Bei einer Crowdfunding-Kampagne für den Sion kommen über 820.000 Euro zusammen. Das Team entwickelt seinen ersten echten Prototyp, dem viele weitere, voll funktionsfähige Modelle folgen.

Im Sommer 2017 dann präsentiert das Start-up den Sion, einen Fünfsitzer mit einer Reichweite von 250 km, der noch dazu bidirektional laden kann. Das bedeutet, dass sich die Batterie des Sions auch als Stromspeicher nutzen lässt. Und das macht möglich, dass sich mit diesem Strom andere elektrische Geräte betreiben oder auch andere Elektroautos laden lassen. Dann aber gerät das Projekt ins Wanken, eine neue Crowdfunding-Kampagne muss gelauncht werden. Und tatsächlich bringen die Unterstützer mehr als die angepeilten 50 Millionen Euro zusammen.

Film: So lädt der Sion

Sonne und Moos

Wie von Anfang an geplant stecken in der Außenhaut des Sion überall Photovoltaikzellen: Sie befinden sich auf beiden Seiten, dem Dach, dem Heck und der Motorhaube. Bei dem so genannten System viSono laden das Auto insgesamt 248 nahtlos in die gesamte Karosserie eingearbeitete Solarzellen während der Fahrt, aber auch dann auf, wenn es in der Garage, im Carport oder an der Straße steht.

Und das sorgt dafür, dass der Sion – je nach Fahrleistung und Sonneneinstrahlung – einen Großteil der Energie, die es braucht, tatsächlich selbst erzeugt. Pro Tag können das immerhin 34 km werden – Kurzstrecken meistert man also locker autark. Um die Module vor schädlichen Umwelteinflüssen zu schützen, haben sie die Sion-Entwickler mit einer Schicht aus Polycarbonat überzogen.

Leichte Sache

Moos im Cockpit des Sion bindet Feinstaub. © Sono Motors

Besonders effizient ist der Sion, weil in ihm viele Leichtbauteile verarbeitet sind. So besteht das Exterior Solar statt Lack. Das Exterieur des Autos ist vollständig mit Solar Body Panels verkleidet. Das Besondere: In einem neuen Produktionsverfahren werden die Solarmodule exakt an die Form des Fahrzeugs angepasst. Das macht die Zellen beinahe unsichtbar und den Sion leicht, weil die Panels anders als herkömmliche Solarmodule Panels in Polymer und nicht in Glas eingebettet sind. Das macht sie mindestens 20 Prozent leichter als vergleichbare Karosseriebauteile aus Metall.

Beeindruckend auch das von Sono Motors entwickelte System breSono im Inneren des Wagens. Dort bindet im Armaturenbrett platziertes Moos über elektrostatische Anziehung bis zu 20 Prozent des Feinstaubs aus der Luft.

Pflegen müssen künftige Sion-Fahrerinnen und Fahrer das Moos nicht – es versorgt sich vollständig selbst. Apropos Klima: Schon seit 2017 kompensiert das Unternehmen übrigens auch alle CO2-Emissionen, die im Rahmen der Produktion des Sion entstehen. Gebaut wird das Auto übrigens im ehemaligen Saab-Werk im schwedischen Trollhättan. Die Produktion übernimmt das Saab-Nachfolgeunternehmen NEVS. In acht Jahren sollen 260.000 Sion gebaut werden, nach der Hochlaufphase sollen jährlich 43.000 Exemplare vom Band rollen. Der Strom, der dabei verbraucht wird, stammt aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen.

Günstig reparieren

Auch in Sachen Reparatur und Langlebigkeit geht Sono Motors neue Wege und zwar mit dem Instandhaltungssystem reSono. Per Mausklick lässt sich ein Großteil der Fahrzeugteile nachbestellen. Und weil es keine Vertragswerkstätten wie sie traditionellen Autobauer haben gibt, teilt Sono Motors das Sion-Werkstatthandbuch mit der Öffentlichkeit.

Zusätzlich wird es Videos und Tutorials geben, die dabei helfen, den Sion selbst zu reparieren – und zwar ganz ohne großes Vorwissen und ohne viel dafür bezahlen zu müssen. Weil das Handbuch auch für Werkstätten frei einsehbar ist, kann jeder, der sich das „Schrauben“ nicht zutraut, seinen Wagen auch professionell richten lassen.

Und wann kommt er nun?

Die Produktion soll 2022 starten, das Auto lässt sich aber schon jetzt auf der Website von Sono Motors reservieren. Anzahlen müssen alle künftigen Sion-Piloten mindestens 500 Euro. Der Grundpreis für das Münchener E-Mobil liegt bei 16.000 Euro ohne Batterie. Die kauft man entweder für 9500 Euro, mietet oder least sie.

 

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