Smart Grid Grafik E-Mobilität

Smart Grid: Wie E-Autos mit dem Stromnetz Geld verdienen

Wenn mehr Elektroauto auf deutschen Straßen fahren, bedeutet das auch eine größere Belastung fürs Stromnetz. Zu Blackouts, wie manche Experten befürchten, wird es deshalb wohl nicht kommen. Eine Lösung heißt Smart Grid – und damit können Fahrer von Elektroautos sogar Geld verdienen.

Wenn Oma früher Märchen erzählte, ging es um den bösen Wolf oder Hänsel und Gretel. Heute erzählen Omas keine Schauergeschichten mehr und wenn doch, dann würden sie wohl vom Elektroauto handeln. Eine davon geht so: Wenn in Zukunft ganz viele Deutsche elektrisch sind und ihre Fahrzeuge laden, dann bricht das Stromnetz zusammen und wir sitzen alle im Dunkeln. Bei solchen Legenden ist klar, welche Autos dann noch fahren: natürlich die mit Verbrennungsmotor.

Dazu zeigt eine Studie der Managementberatung Oliver Wyman mit der TU München, dass es bei den derzeitigen Netzstrukturen und einer E-Fahrzeugquote von 30 Prozent ab 2032 flächendeckende Blackouts in Deutschland geben könnte. Dass es ohne entsprechenden Netzausbau keine Elektromobilität gibt – naja, das kann sich auch ohne Studie eigentlich jeder denken.

Stromnachfrage steigt mit mehr E-Autos nur minimal

Doch die Rechnung „Viele Elektroautos = viel höherer Strombedarf“ ist falsch. Nach einer Berechnung der Unternehmensberatung McKinsey fällt das Laden von E-Autos wenig ins Gewicht, denn ein Großteil des in Deutschland gebrauchten Stroms wird in der Industrie und in Gebäuden verwendet. Wenn im Jahr 2030 etwa 7 Prozent des deutschen Fuhrparks batteriegetrieben fahren, steigt die Stromnachfrage durch E-Autos um lediglich ein Prozent oder fünf Gigawattstunden, schätzen die Experten. Auch falls im Jahr 2050 rund 40 Prozent Elektroautos fahren, sollen laut McKinsey-Berechnungen nur rund 6,5 Prozent des gesamten Strombedarfs von E-Autos stammen. Der größte Teil des zusätzlich benötigten Stroms wird bis dahin wohl aus erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Preiswerte Stromtarife für Elektroautos

Allerdings dürfte das Laden von mehr Elektroautos zu bestimmten Zeiten auch zu größeren Spitzenlasten führen. Das sind kurzzeitig auftretende, hohe Stromschwankungen, in denen am meisten Strom verbraucht wird. Eine bekannte Stromspitze in Privathaushalten ist zum Beispiel der 1. Weihnachtsfeiertag: Zehn Prozent mehr Strom wird dann verbraucht, wenn in Millionen deutschen Backöfen Gänse, Enten und Braten vor sich hinbrutzeln und dazu der Weihnachtsbaum mit anderer Feiertagsbeleuchtung um die Wette strahlen. In Zukunft wird mehr Strom als bisher vor allem abends in Haushalten mit Elektroautos benötigt, weil viele dann ihr Fahrzeug zu Hause oder an der nächsten Ladesäule laden werden.

Dem deutschen Stromnetz insgesamt dürfte dieser Effekt wenig ausmachen, doch in manchen Gegenden werden sich Elektroautos schneller durchsetzen als im Rest der Republik. So etwa im Großraum München, in Stuttgart oder Wolfsburg aber auch im Hochtaunuskreis. Dort arbeiten die Menschen häufig bei Automobilherstellern, viele Familien mit mittlerem oder hohem Einkommen leben in Einfamilienhäusern und haben mehrere Autos, von denen mindestens eines gegen ein E-Auto getauscht werden wird.

Die Folge: Das lokale Stromnetz dort muss in relativ kurzer Zeit deutlich mehr Elektroautos laden. Ein anderes Problem könnte bei öffentliche Autobahn-Schnellladestationen entstehen, in Urlaubszeiten könnte eine hohe Nachfrage die lokalen Netze an ihre Grenzen bringen. Eine Lösung könnten preiswertere Stromtarife in der Nacht und am frühen Morgen für E-Auto-Haushalte sein oder der Bau von Speicherkraftwerken und Batteriespeichern in solchen Regionen für Spitzenlasten.

Strom aus dem Akku zurück ins Stromnetz

Eine andere Möglichkeit sind intelligente Stromnetze, sogenannte Smart Grids. Wo tausende Kleinkraftwerke mit der Energie von Sonne, Wind oder Wasser Strom erzeugen, sollen Stromerzeuger, Stromspeicher und Stromverbraucher so vernetzt und gesteuert werden, dass sie optimal miteinander verbundenen sind sowie die Energieversorgung effizient und zuverlässig sicherstellen. Denn viele Elektroautos der neuen Generation können nicht nur Strom tanken, sondern ihn aus ihrem Akku auch wieder ins Stromnetz einspeisen. Bidirektionales Laden heißt die Technologie oder auch Vehicle to Grid (V2G), was auch der Netzstabilität dienen kann. Denn die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien schwankt, deshalb muss der Strom zwischengespeichert werden.

Elektroautos schneller als Pumpspeicherkraftwerk

Diese Rolle könnten in einem Smart Grid die Elektroautos übernehmen. Sie werden – so wie schon heute Autos mit Verbrennungsmotor – durchschnittlich mehr als 23 Stunden pro Tag in der Garage oder auf dem Parkplatz stehen und nur 40 Minuten tatsächlich genutzt. Digital vernetzt zu einer riesigen Schwarmbatterie und mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden, können E-Autos die in ihren Akkus gespeicherte Energie bei Bedarf schneller und effizienter als ein Pumpspeicherkraftwerk wieder ins Netz einspeisen und damit Lastspitzen ausgleichen. E-Autofahrer können bestimmen, wann der Akku zur Weiterfahrt voll geladen sein muss und wie viel Prozent der Akkukapazität sie maximal für die Netzeinspeisung freigeben möchten.

Geld verdienen mit dem Elektroauto

Außerdem könnte sich die Unterstützung der E-Autos für die Netzstabilität finanziell lohnen, ein entsprechendes Bezahlsystem testet der japanische Autokonzern Nissan in Dänemark und Großbritannien. Wer seinen Strom mit Photovoltaik auf dem Hausdach selbst erzeugt oder über die Wallbox bezieht und über sein Elektroauto der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, hat dafür einen Anspruch auf Bezahlung. Nissan schätzt, dass sich mit der Netzeinspeisung per E-Auto jährlich durchschnittlich 400 Euro verdienen lässt. Durch das ständige Be- und Entladen im Smart Grid altern auch die Akkus nicht früher, wie Kritiker vermuten. Forscher der britischen University of Warwick fanden heraus, dass eine Batterie mit einer intelligenten Steuerung der Lade- und Entladezyklen sogar bis zu 10 Prozent länger halten kann.

Wer ein Einfamilienhaus besitzt, kann sich ein Smart Grid auch zuhause installieren lassen. Etwa 2400 Kilowattstunden Strom pro Jahr braucht ein durchschnittliches Elektroauto, die sich mit einer 18 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage leicht erzeugen lassen. Überschüssiger Strom wird im Batteriespeicher eingelagert und an Tagen verwendet, an denen die Sonne einmal nicht so stark scheint. Mit der eigenen Wallbox lässt sich auch Strom vom Energieversorger beziehen oder ins Netz einspeisen. Und wenn die Ersten gemerkt haben, dass sie mit eigenem Strom vom Dach ganz umsonst Auto fahren, werden sie andere Geschichten vom Elektroauto erzählen. Solche über Autos mit Verbrennungsmotor werden sich dann wie echte Gruselmärchen anhören.

Auf der Suche nach einer Ladelösung? Lassen Sie sich beraten! Wir helfen Ihnen auf Ihrem Weg in Richtung Elektromobilität.

Ihre Angaben
Bitte geben Sie einen Vornamen an
Bitte geben Sie einen 2ten Vornamen an
Bitte geben Sie einen Nachnamen an
Ungültige Postleitzahl
Bitte geben Sie Ihre Telefonnummer an
Bitte geben Sie an, wann Sie erreichbar sind
Ungültige E-Mail-Adresse
Bitte geben Sie eine Nachricht an

Bitte akzeptieren Sie die Einverständniserklärung

Bitte akzeptieren Sie die Newsletteranmeldung

Vielen Dank für Ihre Anfrage.

Wir haben Ihre Daten übermittelt. Unser Partner wird sich an Sie wenden, um den weiteren Ablauf zu besprechen. Vielen Dank für Ihr Vertrauen!

vorherige Frage