Elektroauto Umweltbilanz

Wie sauber sind sie wirklich?

Die Umweltbilanz von Elektroautos ist nicht immer eindeutig: Da sie ohne fossile Brennstoffe fahren, gelten sie als umweltfreundlich. Doch was ist mit dem Herstellungsprozess und mit dem Recycling der Batterie? Und wie sieht es mit dem Strom aus, den E-Autos verbrauchen? Wir haben genauer hingeschaut.

Um die CO2-Emissionen massiv zu senken, das wissen nicht nur die Experten, muss viel passieren. Im Mobilitätssektor spielen dabei Elektroautos eine große Rolle: Fahren sie mit Ökostrom, dann stoßen sie keinerlei Emissionen aus, weder CO2 noch andere Umweltgifte gelangen in die Atmosphäre. Und das ist gut für die CO2-Bilanz, denn Deutschland muss 2030 rund 300 Millionen Tonnen CO2 weniger ausstoßen als im Jahr 2018. Und der CO2-Ausstoß des Verkehrs hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert.

Das mit den null Emissionen stimmt allerdings nur, wenn die E-Autos allein Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen tanken. Denn der Strom, der hierzulande gewöhnlich aus der Steckdose fließt, spiegelt auch den deutschen Strommix wider. Und der setzt sich aus Strom aus regenerativen Energien sowie Strom aus Kohle-, Erdgas- und Kernkraftwerken zusammen. Solange die Energiewende nicht vollendet ist, wird immer ein gewisser Stromanteil aus fossilen oder anderen Quellen kommen.

Wer Ökostrom bezieht und sein Elektroauto zuhause damit lädt, unterstützt die Förderung der erneuerbaren Energien im Land. Echten Ökostrom tankt ein Elektroauto aber nur an einer Wallbox, die auf selbst produzierten Solarstrom zugreift.

Global gesehen: Die Umweltbilanz von Elektroautos

Mit der Umweltbilanz von Elektroautos setzten sich in den vergangenen Jahren immer wieder verschiedene Forschungsgruppen auseinander. Im Mai 2017 sorgte eine schwedische Studie für viel Wirbel. Die Untersuchung befasste sich mit der Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus. Beim Bau des Akkus eines Tesla Model S, heißt es darin, entstehe so viel CO2, wie ein Benziner in acht Jahren Nutzung in die Atmosphäre entlässt.

Eine Studie der Freien Universität Brüssel vom Oktober 2017 gelangt zu anderen Ergebnissen. Sie kommt zum Schluss, dass Elektroautos über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg schon heute deutlich weniger Treibhausgase ausstoßen als Fahrzeuge, die Diesel tanken. Das sei sogar dann der Fall, wenn sie in Ländern zugelassen seien, wo der Anteil von Kohlestrom besonders hoch sei. In Polen, so die Studie, liege der CO2-Ausstoß immerhin 25 Prozent niedriger als bei einem Diesel-Fahrzeug. Deutlich besser sei die Umweltbilanz zum Beispiel in Schweden, wo die CO2-Emissionen wegen des hohen Anteils an regenerativem Strom um 85 Prozent geringer ausfällt. In Folge wissenschaftlicher Fortschritte und dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien werde sich dieser Trend noch weiter verstärken.

Die Situation in Deutschland

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Berechnungen, die Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) für das Manager Magazin angestellt haben. Auch dort stand der gesamte Lebenszyklus der Fahrzeuge im Fokus. In Sachen Klimafreundlichkeit schlägt das Elektroauto den Verbrenner deutlich, so die Forscher. Und das nicht etwa nur in Ländern, deren Strommix besonders CO2-arm sei, sondern auch in Deutschland, wo der Anteil von Ökostrom an der Stromerzeugung zwar immer weiter steigt, aber erst bei knapp über einem Drittel liegt.

Bei der Gelegenheit nahmen die MIT-Wissenschaftler die kritischen Ergebnisse der schwedischen Studie aufs Korn. Diese setze einen deutlich schmutzigeren Strommix in China und den USA an als die Internationale Energie-Agentur und das US-Energieministerium. Viele interpretierten die Ergebnisse der Studie zudem falsch, die sich in erster Linie mit der Herstellung der Batterien der E-Autos beschäftige.

Und auch das österreichische Umweltbundesamt legte eine Studie zum Thema vor. Auch sie kommt zu einem positiven Ergebnis: E-Autos bieten demnach im Vergleich zu Diesel-, Benzin- und Hybrid-Fahrzeugen die besten Chancen, Energieverbrauch und Luftschadstoffemissionen im Straßenverkehr nachhaltig zu reduzieren und eine CO2-arme Mobilität zu erreichen.

Glaubt man der jüngsten Studie des Ifo-Instituts, hat ein Elektroauto in Deutschland eine miesere CO2-Bilanz als ein Diesel. Stimmt, denn die Macher der Untersuchung verwendeten für ihren Berechnungen ausschließlich den normalen Strommix mit reichlich Kohlestrom. Mit Ökostrom sieht die Bilanz vollkommen anders aus! Und E-Mobile können noch deutlich sauberer werden, wie ein aktueller Report der Europäischen Umweltagentur zeigt.

Das zweite Leben der Batterie

Momentan sind noch nicht viele Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu sehen. Wenn sich das aber ändert und die Zahlen steigen, dann stellt sich die Frage, was mit den Akkus passiert, die ihren Zenit überschritten haben. Autohersteller und Start-ups feilen an Vermarktungskonzepten für das zweite Leben der Batterien.

So ist denkbar, die Akkus als stationäre Stromspeicher zu nutzen, zum Beispiel in Privathaushalten mit Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Auch Recycling ist eine Alternative: Alle wertvolle Akku-Bestandteile wie zum Beispiel Kobalt können zu fast 100 Prozent wiederverwertet werden, so erste Testergebnisse.

Von der Wiege bis zur Bahre: Wie umweltfreundlich sind E-Autos?

Selbst wenn man die Emissionen einrechnet, die ein E-Auto verursacht, bevor es auf den Straßen fährt, schneiden diese Fahrzeuge schon heute vergleichsweise gut ab. Damit ihre Ökobilanz in Zukunft noch besser wird, braucht es aber immer mehr Anlagen, die Strom aus regenerativen Quellen gewinnt.

Und vielleicht müssen wir uns auch manche unsere liebgewonnene Gewohnheit abschminken, wirklich überall mit dem Auto hinfahren zu wollen. Fest steht aber: Die Akkus von Elektroautos werden immer leistungsstärker, die Motoren effizienter und die verbauten Teile leichter. Das gilt natürlich auch für Autos mit Verbrennungsmotoren. Nur tanken die in Zukunft dann immer noch teure fossile Kraftstoffe.

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