Öffentliches Ladestation vor blauem Elektroauto

Wie bezahle ich an einer Ladesäule?

14.09.2022

Für das Laden eines Elektroautos an der Ladesäule zu bezahlen ist kompliziert? Das Vorurteil gehört der Vergangenheit an: Die Regeln für neue Ladestationen vereinfachen vieles, neue Angebote für Bezahlsysteme sorgen für unkompliziertes Roaming. Das Ziel: Laden überall, auch ohne Vertrag.

Meistens laden Fahrer von Elektroautos zuhause - bequem und schnell an einer Wallbox zu Hause. Und wie sieht es mit dem Laden im öffentlichen Raum aus? Vor allem: Wie bezahlt man an einer Ladesäule?

Elektroauto an einer Ladesäule auftanken ohne zu bezahlen

Wenn Sie Glück haben, ist die kostenlose Ladesäule beim Supermarkt oder am Rathaus ums Eck gerade frei. Doch diese Gratis-Lademöglichkeiten werden seltener. Hinzu kommt, dass auch immer mehr Elektroautos zugelassen werden. Stand Januar 2022 sind es bereits 618.500 Fahrzeuge. Und schon heute muss sich ein Elektromobilist eine von fast 59.000 öffentlichen Ladesäulen mit 22 anderen E-Auto-Fahrern teilen.

Weitere Ladestationen stehen für Kunden von Autohöfen, Restaurants und Hotels, von Möbelhäusern und Baumärkten bereit. Der Zugang ist meist individuell geregelt und richtet sich nach den Öffnungszeiten und Parkplätzen. Im Trend liegen anbieterspezifische Apps – schließlich geht es darum, dass die Kundschaft gern und öfter vorbeikommt.

Wer bei seinem Arbeitgeber sein Elektroauto laden kann, hat’s gut. Benzin würde er Ihnen nicht schenken. Strom laden, ohne steuerliche Nachteile befürchten zu müssen, darf er erlauben. Man parkt und lädt kostenlos während der Arbeitszeit. Firmen dürfen Beschäftigten sogar eine Wallbox zur Nutzung überlassen.

Das Bezahlen an einer öffentlichen Ladesäule wird einfacher

Um das Wirrwarr von Bezahlsystemen für öffentliche Ladestationen und die wachsende Ladeinfrastruktur aufzulösen hat der Gesetzgeber im März 2016 eine Verordnung erlassen. Die Ladesäulenverordnung (LSV) schreibt technische Standards vor, die auch das Bezahlen regeln. Zentrale Vorgabe: Wer eine öffentliche Ladesäule betreibt, muss sie auch für punktuelles oder „spontanes“ Laden öffnen. Das heißt: Auch das Laden ohne vorherige Authentifizierung oder eigene Ladekarte muss möglich sein.

Mit ISO 15118 wurde im März 2019 ein internationaler Standard verabschiedet der das Laden endgültig vereinheitlichen soll. Das Strom tanken von E-Autos soll damit noch bequemer und sicherer werden. Der Standard stellt sicher, dass die Kommunikationsprozesse zwischen der Ladeinfrastruktur und dem Fahrzeug vor Manipulation und Zugriffen von außen geschützt sind. Ähnlich wie bei den Tesla – Supercharger könnten auch Nicht-Tesla-Fahrer ankommen, das Auto anstöpseln und fertig. Die Authentifizierung des Fahrzeugs, die Registrierung des Preises und der Abrechnungsprozess werden dabei automatisch von der Software im Fahrzeug abgewickelt.

2021 wurde beschlossen, dass öffentliche Ladepunkte ab dem 1. Juli 2023 das kontaktlose Bezahlen mit einer Bank- oder Kreditkarte beim sogenannten Ad-hoc-Laden ermöglichen müssen. Beim Ad-hoc-Laden benötigen Sie keine Ladekarte oder eine vorherige Registrierung beim Betreiber der Ladesäule. Außerdem entfällt beim spontanen Laden eine vertragliche Bindung. Fahrer eines Elektroautos werden in naher Zukunft an nahezu jeder Ladesäule sowohl spontan als auch vertragsbasiert zahlen können.

Viele Zahlungswege zum Bezahlen an einer Ladesäule

Hier eine Auswahl der gängigsten Möglichkeiten, an der Stromtankstelle bzw. Ladesäule zu bezahlen:

Elektroauto kostenlos laden

Der Betreiber einer Ladesäule kann seinen Strom verschenken. Das ist nicht so abwegig, wie es zunächst scheint. Denn längst nicht jede Ladesäule, die öffentlich zugänglich gemacht wird, ist als Stromtankstelle konzipiert. Sie trägt sich wirtschaftlich noch nicht, erst recht nicht, wenn der Betreiber massiv investieren müsste.

Stromabgabe ohne Authentifizierung

Der Strom kann ohne Authentifizierung – also ohne dass der Elektrofahrer sich legitimieren muss, gegen Bezahlung abgegeben werden. Voraussetzung ist ein Geldautomat wie in einigen Tankstellen oder ein Kassenhäuschen, wie man es von Parkhäusern kennt.

Bezahlen an Ladesäule per Smartphone-App

Hinzu kommt das „webbasierte Zahlen“, das schnell wächst. Mit seiner Smartphone-App, die beispielsweise den QR-Code der Ladesäule einscannt, weist sich der Fahrzeugnutzer aus und erledigt den Ladevorgang denkbar einfach und komfortabel.

Bezahlen an Ladesäule per mit Ladekarte

Per RFID-Ladekarte erkennt die Ladesäule den Kartenanbieter und übermittelt die Kosten der Aufladung dann dem Ladekartenanbieter, der mit dem Nutzer – meist zum Monatsende – abrechnet.

Bezahlen an Ladesäule per mit EC- oder Kreditkarte

Der Standard der Zukunft dank der überarbeiteten Ladesäulenverordnung bis Juli 2023. Der Strom kann mit oder ohne Authentifizierung (Ad-Hoc-Laden – spontanes Laden ohne Registrierung) über eine EC-Karte oder Kreditkarte geladen und anschließend bezahlt werden. Mit einem NFC-fähigen Endgerät können Kunden dann auch digitale Wallets wie Google Pay oder Apple Pay nutzen.

Neben diesen vorgegebenen Wegen existieren weitere Möglichkeiten. Nach Freigabe der entsprechenden Mehrwertdienste gegenüber seinem Mobilfunkbetreiber kann ein Fahrer beispielsweise auch per SMS zahlen.

E-Roaming: Überall Laden dank Ladekarte

Ob die einzelne Ladestation attraktiv ist, darüber entscheidet oft die Ladekarte, die ein Betreiber an seine Kunden ausgibt: Sie soll möglichst überall funktionieren, so wie ein Smartphone reibungslos in allen Mobilfunknetzen funktioniert.

Roaming ist der Schlüsselbegriff fürs elektrische Laden. Anders als beim Mobilfunk, bei dem der Begriff Roaming vor allem auf Auslandsreisen zutrifft, ist das Roaming beim E-Auto nicht nur aufs Ausland beschränkt. Ein Beispiel: Die Stadtwerke Erfurt betreiben Ladestationen und versehen ihre Kunden mit einer Ladekarte für die eigenen Stationen. Wenn das Elektroauto nun nach Aachen fährt, tut die Ladekarte dort das Gleiche: Sie authentifiziert den Fahrzeugnutzer und öffnet ihm die Ladestation, die zeit- oder volumenbezogen das Laden inklusive Abrechnung managt. Dem Nutzer stehen also auch Ladestationen von Roaming-Partnern der Stadtwerke Erfurt zur Verfügung, an denen zum einheitlichen Tarif Strom getankt werden kann.

Deutsche Ladesäulenbetreiber im Überblick:

  • BMW Charging bietet weltweit über 350.000 Ladepunkte zum Laden von Elektroautos an. Der Zugang erfolgt per RFID-Karte oder App.
  • ADAC e-Charge ist eine Kooperation des ADAC mit EnBW mit über 250.000 Ladepunkten in ganz Europa zum Laden per Ladekarte oder App. Dieses Angebot ist allerdings nur für ADAC-Mitglieder verfügbar.
  • EnBW und sein HyperNetz stellen über 250.000 Ladepunkte in neuen verschiedenen Ländern zur Verfügung. Gezahlt wird hier ebenfalls per Ladekarte oder App.
  • E.ON, der große Essener Energiekonzern bietet das Aufladen an über 160.000 Drive easy Ladepunkte ganz europaweit an. Hier funktioniert die Zahlung allerdings nur per App.
  • Mit der Maingau Energie mit Sitz in Obertshausen können Elektroautofahrer an rund 60.000 deutschlandweit und an über 270.000 Ladepunkten in ganz Europa laden.

Weitere öffentliche Ladesäulen in Deutschland und im Ausland bieten Shell, die Stadtwerke Dresen DREWAG, die Stadtwerke Düsseldorf und die Stadtwerke München an.

Der ADAC versucht, eine Übersicht über die verschiedenen Tarifmodelle zu geben.

Internationale Verbunde für E-Roaming: Anbieter für Ladestrom

  • Einer der größten Roaming-Anbieter am Markt ist das Partner-Netzwerk ladenetz.de der smartlab Innovationsgesellschaft mbH, einem Verbund von 250 Stadtwerken und weiteren Kooperationspartnern, der über eine Marktabdeckung von etwa 60 Prozent verfügt. Auch Business Partner können ladenetz.de beitreten und Teil eines deutschlandweiten Netzwerks werden, das seinen Kunden komfortable Elektromobilität, E-Roaming und weitere Mobilitätsdienstleistungen verspricht. ladenetz.de bietet eine einfache Nutzung sämtlicher Ladestationen der Partner mit deutlich über 120.000 eigenen angeschlossenen Ladepunkten. Hinzu kommen rund 30.000 weitere Ladepunkte, die durch Roaming-Abkommen auf nationaler sowie internationaler Ebene den Kunden der Stadtwerke-Partner zur Verfügung stehen. Diese sind unter der Roaming-Plattform e-clearing.net zusammengefasst, die mit rund 150.000 Ladepunkten und über 2 Millionen Elektromobilisten die größte E-Roaming-Plattform Europas darstellt. Tanken können Sie einfache mit der Ladekarte oder der App "ladepay".
  • Ein weiterer Roaming-Anbieter ist Hubject. Die Roaming-Plattform versteht sich als „B2B-Marktplatz für Dienstleistungen rund um das Laden von Elektrofahrzeugen“ und bietet 400.000 Ladepunkte auf drei Kontinenten. Über seine Plattform „intercharge“ verbindet das Berliner Unternehmen die unterschiedlichsten Partner, die jeweils eigene Dienstleistungen anbieten. Überall wo das „everywhere“ von intercharge auf einer Ladestation zu lesen ist, können Fahrer von Elektroautos Anbieter-übergreifend laden. Karte oder Vertrag mit einem der über 1.000 Hubject-Partner genügen. Wenn beides fehlt, klappt das Laden trotzdem, mit intercharge direct. Ohne Vertrag und ohne Anmeldung zahlt man eben mit Kreditkarte oder via Paypal.
  • Ähnlich wie intercharge funktioniert Plugsurfing als App. Sie dient der Suche nach Ladestationen, der Authentifizierung wie der Bezahlung. Insgesamt bietet der Anbieter 250.000 Ladestationen europaweit zum Laden. Dank der Variabilität und mehrerer Zahlungsmethoden, unter denen Nutzer wählen können, macht Pluginsurfing das Laden einfach.

Weitere Anbieter für Ladestrom

Wie attraktiv das Geschäftsfeld ist, zeigen die Neueinsteiger. Die ökologisch orientierte GLS-Bank, die ethische Investments fördert und viele Projekte um erneuerbare Energien angestoßen hat, steigt mit dem alternativen Bezahlsystem "Giro-e" ein. Wie es funktioniert: schlicht mit EC- oder bald schon mit Kreditkarte.

2017 startete die Tochter der Deutsche Telekom, die Comfort Charge GmbH, den Aufbau Ihres eigenen Schnelladenetzes und bietet eine Ladekarte oder App an, mit denen man sein Elektroauto an mehr als 160 Schnellladestationen in Deutschland laden kann. In nur zehn Minuten lädt ein Elektroauto hier Strom für circa 100 Kilometer Reichweite. Das ist derzeit die schnellste Möglichkeit in Deutschland. Abgerechnet wird monatlich. Bezahlen ist bequem per Bankeinzug möglich.

Auch Tankkarten-Anbieter für gewerbliche Fahrzeuge springen auf den fahrenden Zug auf und offerieren ähnliche Lösungen. Sogar spezialisierte Angebote für Hybridfahrzeuge finden sich darunter. Gespannt sein darf man auf innovative Anbieter wie „Has to be“ und viele andere, die ihre Mobilitätsangebote – übers Laden hinaus – in neuartigen Kombinationen anbieten.

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