Elektrische LKWs erobern die Straße

Elektro-Lkws: Die Brummis werden sauber

In diesem Frühling, der sich eher wie Sommer anfühlt, sitzt man ja viel draußen. Zum Beispiel im Café oder beim Lieblingsitaliener. Macht Spaß, stinkt aber auch ganz schön, vom Krach ganz zu schweigen. Vor allem die Diesel-Laster, die jeden Tag Waren in die Städte schaffen, sorgen für jede Menge gesundheitsschädlichen Dreck.

Wäre es nicht toll, wenn nicht nur immer mehr Autos, sondern auch Lkws mit Strom im Tank durch unsere Städte fahren würden? Und übers Land? Sauber und umweltfreundlich? Dieser Wunsch scheint bald Realität zu werden. Denn die Nutzfahrzeug-Hersteller bewegen sich jetzt mit großen Schritten in die Zukunft. Den Start machte, wie so oft in Sachen E-Mobilität, Elon Musk mit einer großen Show rund um den Tesla Semi Truck. Dieses Fahrzeug wird vermutlich 2019 auf den Markt kommen und soll dann über eine Reichweite von 800 Kilometern verfügen.

Trucks mit Elektroantrieb: Mercedes und Volvo ziehen nach

Der Weckruf von Tesla zeigt Wirkung. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Trucks mit Elektroantrieb angekündigt werden. So arbeitet zum Beispiel die Mercedes Lkw-Sparte Daimler Trucks auf Hochtouren an einem eigenen Elektro-Laster. Den Schritt in die alternative Mobilität begründet das Unternehmen damit, dass seit 2008 weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land leben. 2050 würden rund 70 Prozent der dann 9 Milliarden Weltbewohner in Städten wohnen. Immer mehr Güter müssten also in urbanen Räumen transportiert werden. Den e-mobilen Lastwagen wird es in zwei verschiedenen Versionen geben, die Reichweite soll jeweils bei bis zu 200 Kilometern liegen. Ab 2021 soll der eActros in Serie gehen, erprobt werden die Lkws aber schon jetzt. Insgesamt zehn verschiedene Firmen aus Deutschland und der Schweiz testen den eActros in Sachen Alltagstauglichkeit und Wirtschaftlichkeit.

Auch Volvo Trucks testet zur Zeit gleich zwei elektromobile Lkw im Straßenverkehr. Die Großserienproduktion des Volvo FL Electric mit 16 Tonnen Gesamtgewicht soll 2019 starten. Der Truck soll vor allem in der Stadt zum Einsatz kommen, zum Beispiel als Müllwagen oder im Lieferverkehr. Seine Reichweite soll je nach Einsatzzweck zwischen 100 und 300 Kilometern betragen. Die Technik stammt zu großen Teilen aus Volvo-E-Bussen. Der Volvo FE Electric ist für schwerere Verteileraufgaben und die Abfallentsorgung in Städten konzipiert. Er verfügt über ein Gesamtgewicht von bis zu 27 Tonnen. Auch er soll 2019 in Serie gehen.

Kosten für Elektro-Lkw sinken, Leistung steigt

Bis vor Kurzem sei der Einsatz vollelektrischer Antriebe im Lkw noch undenkbar gewesen, vor allem wegen der hohen Kosten für die Batterien und der geringen Reichweite. Inzwischen sei die Technik aber deutlich ausgereifter, heißt es von Daimler Trucks. Die Mercedes-Tochter erwartet, dass die Kosten für die Batterien eines vollelektrischen Lkw bis 2025 kräftig sinken – bei gleichzeitiger Leistungssteigerung. Das sind gute Nachrichten für all diejenigen Unternehmen, die wegen drohender Dieselfahrverbote in den Städten auf der Suche nach bezahlbaren Alternativen zu den in der Kritik stehenden Diesel sind.

e-Transporter: Klein, aber oho

Kleinere Modelle sind schon auf den Straßen unterwegs. Auf dem Gebiet der E-Mobilität ist die Deutsche Post schon seit zwei Jahren außerordentlich aktiv. Den Transporter StreetScooter gibt es in den beiden unterschiedlichen Varianten „Work“ und „Work L“. Sie liefern vor allem Pakete aus.

Seit Kurzem kann man die leisen und sauberen Transporter auch frei erwerben – natürlich inklusive Umweltbonus und momentan einer Ladestation obendrauf. Die ideale Lösung für jene, die ein größeres Elektroauto fürs Gewerbe suchen. Entwickelt wurde der StreetScooter in Aachen (siehe: Electric Aachen). Es gibt auch einen Work XL auf Basis des Ford Transit, der allerdings nur von der Post selbst eingesetzt wird.

Vollelektrische LKW – es geht auch größer

Auch die Daimler-Tochter Fuso rechnet sich gute Chancen bei elektromobilen Lastwagen aus. Kein Wunder: Ihr Fahrzeug mit dem Namen eCanter, das in Japan gebaut wird, ist laut Fuso der weltweit erste vollelektrische Leicht-Lkw aus Serienproduktion. Die beweglichen Kleinlaster mit bis zu dreieinhalb Tonnen Nutzlast kommen gut 100 Kilometer weit – und eignen sich damit bestens für den Einsatz in der Stadt.

Für die anstehende Kleinserie sind individuelle Batteriesätze mit drei bis sechs Batteriesets à 14 kWh geplant. Damit lässt sich der eCanter an die individuellen Kundenbedürfnisse in puncto Reichweite, Preis und Gewicht anpassen. Dieses Konzept basiert auf der in Kundentests gewonnenen Erkenntnis, dass manche Kunden weniger Reichweite, dafür aber mehr Zuladung benötigen, während andere zugunsten von mehr Reichweite (mehr Batteriesets) auf Zuladung verzichten können. Im Vergleich zu einer konventionellen Dieselversion lassen sich so bei den Betriebskosten bis zu 1.000 Euro auf 10.000 km einsparen. Fuso will schon bald auch einen schweren Lkw mit einer Reichweite von bis zu 350 Kilometern und bis zu elf Tonnen Zuladung bauen.

Elektro-Lkw: Jetzt auch mit staatlicher Förderung!

Der Umstieg in einen Elektro-Lkw lohnt sich momentan gleich doppelt: Nach der Befreiung von der Lkw-Maut, soll der Kauf eines E-Brummis nun auch gefördert werden. Jeweils bis zu 40.000 Euro will das Bundesverkehrsministerium als Zuschuss ausloben. Fördermittel seien aber auch für andere alternative Antriebe wie Erdgas- und Brennstoffzellen vorgesehen, heißt es vom Ministerium. Bis Ende 2020 stehen jährlich zehn Millionen Euro zur Verfügung. Erste Anträge können schon ab Juli gestellt werden.

Förderfähig sind Serienfahrzeuge, die über das geltende Umweltschutzniveau hinausgehen oder – falls entsprechende Normen fehlen – den Umweltschutz verbessern. Zwischen einem Gesamtgewicht von 7,5 und zwölf Tonnen bekommen Käufer von Erdgas-Antrieben 8.000 Euro, von Flüssiggas und Elektro-Antrieben 12.000 Euro. Für Elektro-Lkw ab zwölf Tonnen gibt es satte 40.000 Euro.

Wenn man dann auch noch bedenkt, dass die E-Brummis (die natürlich kaum mehr brummen!) genauso wie Elektroautos kaum Wartungskosten verursachen, dann sollte das Ende von Diesel-Trucks eigentlich unausweichlich sein. Und die Pizza gibt’s dann wirklich an der frischen Luft.

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